Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Die Anlage von Pflanzungen in Palästina
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379838-2379840-2381872--03416-2381948- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
hat sich die Lage durch Einschränkung der Rebenproduktion und Hebung des Weinabsatzes gebessert. Die Traubenpreise sind zwar noch niedrig, es ist aber nicht unwahrscheinlich, daß sie in die Höhe gehen werden und daß man in einigen [ahren mit günstigen Aussichten neue Weingärten wird anlegen können. Auch die bisher in den jüdischen Kolonien noch wenig gepflegte Kultur von Tafeltrauben scheint ein gutes Geschäft zu sein, sofern solche Trauben angepflanzt werden, die den Transport nach Aegypten aushalten und nicht nur auf den palästinensischen Markt beschränkt sind. Ebenso verdient die bisher bei den Juden wenig bekannte Anpflanzung von Trauben zur Rosinenbereitung größere Beachtung. — Die Weinstöcke beginnen schon im zweiten oder dritten Jahre Früchte zu tragen, werden jedoch mit Rücksicht auf die Religionsvorschriften erst im vierten Jahre abgeerntet. 2. Orangen. Die Orangenkultur ist schon seit vielen Jahrzehnten in Palästina heimisch. Die Juden haben sich seit ungefähr 20 Jahren dieser Kultur zugewandt und sie in außerordentlichem Maße in die Höhe gebracht. Das Zentrum der Orangenkultur bildet die Umgebung von Jaffa und hier wiederum die jüdische Kolonie Petach-Tikwah. Daneben gibt es Orangenpflanzungen auch in den jüdischen Kolonien Samarias (Chedera und Sichron Jakob). Der Orangenbaum bedarf künstlicher Bewässerung, um die heiße Jahreszeit zu überstehen und die Kosten für die Anlage einer Orangenpflanzung sind deshalb ganz bedeutend höher als bei allen anderen Pflanzungen. Die Höhe der Kosten ist abhängig von der Tiefe des zu grabenden Brunnens. In manchen Kolonien findet man schon bei 8—10 m, in anderen erst bei 20—30 m oder sogar bei 50—60 m Tiefe genügendes Wasser. Ein Brunnen von 20—30 m Tiefe, der für etwa 60 bis 80 Dunam Orangen Wasser geben soll, kostet etwa 3000—4000 Frcs. Dazu kommen noch die Kosten für die Pumpe mit Petroleum- oder Sauggasmotor, für das Wasserreservoir und das Röhrennetz im Betrage von 7000—8000 Frs. Legt man die Bewässerungsanlage für eine Pflanzung von weniger als 60—80 Dunam an, so verringern sich die Kosten der Anlage nicht in entsprechendem Verhältnis; es empfiehlt sich deshalb, daß sich die Besitzer mehrerer kleinerer Orangenpflanzungen zur gemeinsamen Herstellung einer Bewässerungsanlage vereinigen. Der Orangenbaum bringt bei guter Pflege im fünften Jahre nach der Anpflanzung die ersten Früchte hervor, im sechsten Jahre kann der Fruchtertrag meist bereits die Arbeitskosten des Jahres decken und etwa im siebenten bis neunten Jahre wird der volle Fruchtertrag erreicht. Die Orangenernte beginnt im Oktober und dauert bis zum April. Die Früchte können in dieser Zeit ohne Schaden monatelang am Baume hängen bleiben, so daß man die Kosten der Lagerung in einem Speicher erspart und sie erst kurz vor der Versendung vom Baume herabzunehmen braucht. Die Orangen werden in Holzkisten im Durchschnittsgewichte von 35 kg verpackt und nach Europa versandt. Der Hauptmarkt ist Liverpool, doch nehmen auch Konstantinopel, Rumänien und Rußland gewisse Mengen auf. In jeder Orangenpflanzung können kleine Flächen mit Ethrogim bepflanzt werden. Die palästinensischen Ethrogim erobern sich allmählich in Konkurrenz mit den Ethrogim von Korfu einen Markt und .werden ziemlich gut bezahlt. Auch die in Palästina außerordentlich gut gedeihende Quitte, aus der ein vorzügliches Kompott gemacht wird, kann anscheinend in den Orangenpflanzungen mit Erfolg gezogen werden. Ebenso verspricht die erst in den letzten Jahren von den Juden systematisch in Angriff genommene Anpflanzung von Tafelobst (Aepfel, Birnen und Pfirsiche) gute Erfolge, da Bedarf an gutem Tafelobst vorhanden ist und die bisher in Palästina bei den Arabern existierenden Obstbäume sehr minderwertigen Sorten angehören. 35