Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Die Anlage von Pflanzungen in Palästina
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379838-2379840-2381872--03415-2381947- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Anlage von Pflanzungen in Palästina. Bericht des Herrn Dr. Arthur R u p p i n, Jaffa, an das Direktorium der Palestine Land Development Company Ltd., Berlin. Daß in Palästina der Weinstock und viele Arten von Fruchtbäumen seit altersher heimisch sind, beweisen nicht nur die Berichte der Bibel, sondern auch die im ganzen Lande verbreiteten Spuren früherer Terrassenanlagen, die der Reben- und Baumkultur gedient haben. Das Klima und der Boden Palästinas sind für diese Kulturen in hohem Maße geeignet. Es scheint auch, daß die Kultur dieser Pflanzungen den spezifischen Anlagen und Fähigkeiten der Juden mehr entgegenkommt als der Getreidebau, da sie abwechslungsreicher ist und an die Intelligenz der Pflanzer ziemlich hohe Anforderungen stellt. Man wfrd es kaum als Zufall ansehen können, daß die Pflanzungen der jüdischen Kolonien in Palästina einstimmig als hoch entwickelt bezeichnet werden, während über den Zustand des Getreidebaues in den jüdischen Kolonien vielfach weniger günstig geurteilt wird. Die Anlage von Pflanzungen bietet das beste Mittel, um den Juden, die nach Palästina einwandern und sich der Landwirtschaft widmen wollen, bisher aber nicht in der Landwirtschaft tätig gewesen sind, die Anpassung an das Leben in Palästina zu erleichtern. Während der einwanderungslustige Jude den Getreidebau in Palästina nur dann mit Erfolg aufnehmen kann, wenn er von Anfang an bei der Einrichtung der Wirtschaft zur Stelle ist und eigene landwirtschaftliche Erfahrungen besitzt, ist die Anlage von Pflanzungen in Palästina technisch bereits so gleichmäßig ausgebildet, daß auch Personen, die außerhalb Palästinas leben, in der Lage sind, durch bezahlte fremde Arbeit eine Pflanzung anzulegen und so lange pflegen zu lassen, bis sie Früchte trägt. Dies ist besonders für die große Zahl kleiner jüdischer Kapitalisten von großem Vorteil. Sie können so lange in Europa bleiben und ihrer Berufstätigkeit nachgehen, bis die Einkünfte der von ihnen angelegten Pflanzung ihnen die Möglichkeit einer Existenz in Palästina bieten. Ein anderer Vorteil bei der Anlage von Pflanzungen ist der, daß die Anlagekosten nicht von Anfang an auf einmal aufgebracht zu werden brauchen, sondern sich auf eine Reihe von Jahren verteilen, so daß auch Leute mit geringerem Einkommen durch jährliche Einzahlungen in den Besitz einer Pflanzung kommen können. Schließlich ist als Vorzug der Pflanzungen noch anzuführen, daß sie, sobalcLsie Frucht tragen, auch von solchen Leuten gepflegt werden können, die keine landwirtschaftlichen Kenntnisse besitzen. Die in Palästina gegenwärtig am meisten angebauten Früchte sind: Wein, Orangen, Oliven, Mandeln, Aprikosen und Feigen. Hiervon sind die Oliven, Aprikosen und Feigen hauptsächlich bei den arabischen Grundeigentümern zu finden, während sie in den jüdischen Kolonien noch wenig Eingang gefunden haben. In diesen sind die Hauptfrüchte Wein, Orangen und Mandeln; Oliven und Aprikosen fangen erst jetzt an, sich daneben auch einen Platz zu erobern. Feigen fehlen in den jüdischen Kolonien fast gänzlich. Früher war in den jüdischen Kolonien die Kultur der Maulbeerbäume zwecks Aufzucht der Seidenwürmer ziemlich verbreitet, sie ist aber mit dem Verschwinden der Seidenraupenzucht eingegangen. Ueber die "Kultur der einzelnen Gewächse ist folgendes, zu sagen: 1. Der Weinstock. Boden und Klima Palästinas begünstigen in gleicher Weise die Rebenkultur. Die ällzuschnelle Vermehrung des mit Trauben bepflanzten Areals seitens der jüdischen Kolonisten vergrößerte jedoch die Quantitäten des aus den Trauben in den Kellereien der Kolonien erzeugten Weins in einer Weise, daß der Absatz damit nicht Schritt hielt. Die Folge war ein erheblicher Rückgang der Traubenpreise. Neuerdings 34