Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Landwirtschaftliche Kolonisation in Palästina
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 5)
- Language
- German
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Notlage des Bauern nicht gerade niedrig bemißt. Wohl dem Schuldner, der seine Schuld pünktlich zum Fälligkeitstermine begleicht. Dies ist nicht immer der Fall. Oft treten neue Unfälle in der Familie oder Wirtschaft ein, oder — was gewöhnlich ist — der Ernteertrag reicht zur Deckung der Schuld nicht aus. Dann geht der Gläubiger durchaus nicht gleich streng vor; im Gegenteil: er verlängert die Schuld oder er pumpt gar von neuem. Dann ist natürlich der Bauer nach kurzer Zeit verloren. Schuldkapital und Zinsen steigen bis zu solcher Höhe, dass er sie niemals decken kann. Er muss sein Land verpfänden, kann es nachher nicht auslösen, und es fällt dem Gläubiger zu einem Spottpreise zu. Hat der Effendi aber das Land einmal erworben, dann bildet es für ihn nur eine geringe Einnahmsquelle, denn er bewirtschaftet es nur, wie gesagt, durch arme Pächter, in der Regel durch die früheren Besitzer. Wenn man diesem Effendi für den so erworbenen Boden einen Preis zahlt, der ihm durch Investierung in seinem Handelsgeschäft oder sogar als vollständig sicheres Depot in einer Bank eine weit bessere Verzinsung garantiert als die Verpachtung, dann zögert er nicht, auf den Verkauf einzugehen und er wird alles daransetzen, um ihn gegen etwaige Hindernisse wirklich perfekt zu machen. Die Fellachen aber, die fast durchwegs eher zu viel als zu wenig Land besitzen, beginnen ebenfalls einzusehen, daß es vernünftiger ist, einen Teil des Besitzes zu einem guten Preise loszuwerden, dafür den übergebliebenen nach dem Muster der Juden rationeller zu bewirtschaften und etwas Kapital zu besitzen, um vor Allem dem gefährlichen Wucherer zu entgehen. So wird auch die Fellachenbevölkerung, wrelche stets nur den überschüssigen, schlecht oder gar nicht verwerteten, niemals aber den zu ihrer Existenz notwendigen Boden veräussert, in richtiger Erkenntnis ihrer vitalsten Interessen, etwaigen Einschränkungen seitens der Regierung sich widersetzen. Wie dem aber auch sei, ist das Geschäft des Bodenkaufes ein ziemlich kompliziertes und kann nur von einer kapitalskräftigen Gesellschaft besorgt werden. Dies hat sich auch die „ Pal est in e Land Development Company'1 zur ersten Aufgabe stellt. Es genügt nicht, wenn die Gesellschaft nur in jedem Einzelfalle, in dem sie einen Auftrag zum Kaufe erhält, den Kauf vermittelt. Nur selten treten nämlich in Palästina bei Bodenkauf Nachfrage und Angebot gleichzeitig auf. Die Regel ist vielmehr, daß so oft ein passender Käufer auftritt, ein Kauf wegen mangelnder Angebote sich nicht durchführen lässt. In den letzten Jahren haben viele ernste Bestrebungen, Boden zu erwerben, keine Resultate erreicht, weil die Reflektanten mit den Verhältnissen in Palästina nicht vertraut waren und auf eine schnelle Effektuierung des Kaufes, wie in irgend einem anderen Lande, gehofft haben. Die Verhandlungen haben 8