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Palästina · 1907-09-01 · Heft 9-12 (September 1907) · p. Seite 307

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Journal
Palästina
Volume
4 (1907)
Issue
Heft 9-12 (September 1907)
Article
Dr. Grothes Studienreise in Mesopotamien
Date
1907-09-01
Page
Seite 307 (sequence 3)
Language
German
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— 307 — ErweckungsarbeitenChaldäaszu schaffen. Die zahlreichen Archäologen,,, die hier reisten — wohlgemerkt: auch die deutschen — hatten für die Gegenwart nur ein schwaches Auge. Wenige gaben sich mit Routenaufnahmen ab. Und die Arbeiten dieser wenigen harren seit Jahren einer Veröffentlichung. Die arabische Bevölkerung ist dem türkischen Regime nicht sonderlich hold gestimmt, namentlich wegen der mangelnden Pflege der Stromregulierungen. Denn diese sind ja für Siedlung und Bodenbearbeitung Existenzfragen. Petenten aus überschwemmten Ortschaften pilgerten, als ich in Keihela weilte, in Scharen zum Eegierungskonak. Der Mütessarif schickte sie zur Stadtverwaltung, diese sandte sie zur Polizei und die Polizei wieder zum Regierungskonak. So zogen sie unmutig ab, ohne daß ihnen energisch hülfreiche Hand zur Ausbesserung der gebrochenen Flußdämme geleistet worden war. In Bagdad kam es am 28. und 29. Mai zur Revolte, bei der mehrere Soldaten getötet wurden. Ursache der Erregung war die Stockung alles Verkehrs und der Verdienstgelegenheiten, namentlich auf der Karawanenstraße nach Persien, ferner die von den Überschwemmungsfluten verursachte Zerstörung von nahezu 300 Häusern im westlichen, namentlich von Pferde- und Maultiertreibern bevölkerten Stadtteil. Der aufgespeicherte Unmut brach los, als die Einreihung auch des weiblichen Teiles derBevölkerung in die Listen der „nefüs", der Angehörigen des osmanischen Reiches, in andern Provinzen bereits durchgeführt, für das Wilajet Bagdad angeordnet wurde, und die Männer zur Auskunfterteilung über ihre verschiedentlichen Ehehälften, das Alter und Beschäftigung derselben,, die Zahl der Töchter — natürlich unter Zahlung einer kleinen Abgabe — vor den Beamten erscheinen sollten. Diese sehr löbliche Maßregel rief bei der vorwiegend schiitischen, in religiösen Dingen ziemlich fanatischen Bevölkerung die bitterste Entrüstung hervor. Sie zogen vor das Haus ihres „nakib", ihres schiitischen Oberhauptes, und bedrohten ihn mit dem Tode, weil er einen solchen der Religion zuwider laufenden, in die häuslichen Geheimnisse eingreifenden Schritt hätte dulden können. Die geistige Rückständigkeit der hiesigen Bevölkerung wird genugsam durch diese Vorgänge gekennzeichnet. So die Lage im ehedem so gesegneten Zweiströmeland, in dem zur Verwunderung jedes Beobachters trotz alles Versiegens und aller Verstopfung noch immer manche Quellen des Reichtums fließen. Kulturwerte zu schaffen, dafür fehlt es den Türken durchaus nicht an dem guten Willen, wohl aber an dem nötigen Ansporn und an den nötigen Mitteln. Daß sie, wenn einmal der Anstoß gegeben ist, wohl imstande sind, den weitern administrativen und wirtschaftlichen Ausbau in die Hand zu nehmen, wird in den Provinzen bewiesen, die von den anatomischen Bahnen durchzogen werden. Was man im Zweiströmelande als Deutscher lebhaft zu

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