Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Dr. Grothes Studienreise in Mesopotamien
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 306 (sequence 2)
- Language
- German
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— 306 — Domänenbesitz, hat vor zwei Jahren erreicht, daß für die Ausbesserung* des Hindiedammes — dessen Zweck eben ist, die Verschiebung der Obernächenverhältnisse aufzuhalten und dem Hillearm die nötigen Wassermengen zu wahren — einige hunderttausend türkische Pfund zur Verfügung gestellt wurden, die bei der Ottomanbank deponiert sind. Die Ausbesserungen haben jedoch zu warten, bis die gezeichneten Pläne — man hatte sich einen französischen Ingenieur mit 10000 Franken Monatsgehalt zur Ausarbeitung dieser Pläne verschrieben — in Konstantinopel genehmigt sind! Ein kürzlich von der Zivilliste zum Studium der Bewässerungsverhältnisse entsandter junger Ingenieur — wieder ein Franzose mit 100 türkischen Pfund Monatsgehalt wie auch derWilajetsingenieur sowie auch der Ingenieur der Stadtverwaltung Franzosen sind — sitzt unterdessen untätig im Lande und wartet der Dinge, die da kommen sollen. Welche Schäden die türkische Regierung sich durch diesen Schlendrian selbst zufügt, beweisen einige Zahlen. Die Einnahmen des Distrikts von Hille sind in sechs Jahren von 60000 Pfund auf 25000 gesunken, das bedeutet eine Einbuße innerhalb dieses Zeitraums von 2{j2 bis 3 Millionen Mark. .Mit denen anderer geschädigter Distrikte sind also Summen verloren gegarigen, mit denen der Hindiedamm neu gebaut hätte werden können. Heute ist zudem die Sachlage so, daß die Sandaufschüttungen gegen den alten Flußlauf hin schon bedeutend sind und von Jahr zu Jahr immer mehr anwachsen, so daß schließlich die Einlenkung des Euphrat in sein Bett immer kostspieliger und schwieriger, ja, vielleicht unausführbar wird. Die vorhandenen Karten von Babylonien geben von den heutigen Obernächenverhältnissen nur einen schwachen Begriff. Wie fälschlich die breite Furche des Hindiearms lediglich als schwacher Kanal gezeichnet wird, so sind auch die Verhältnisse unterhalb Hindie mangelhaft gekennzeichnet. Oberhalb Kufa zweigt sich vom Euphrat abermals ein Arm über das von üppigen Eeisfeidern umgebene Schenafie ab, der südlich von Schenalie durch mehrere Seen fließt und bei Samava mit dem Hauptarm wieder zusammentrifft. Die auf den Karten südlich von Nedjef gegebenen zahlreichen großen „Hör's" sind seit 15 Jahren verschwunden. Trotz der gewaltigen Überschwemmung sah ich hier nur einige kleine Tümpel. Noch stärker weichen die auf den Karten sich findenden Siedelungen, die sich auf die Angaben älterer Reisender gründen, von den heute vorhandenen ab. Die Schaffung einer Karte Babyloniens wäre die Aufgabe, die eine deutsche wissenschaftliche Expedition sich wohl zur Aufgabe machen könnte, zumal Babylonien uns durch die Bagdadbahn wirtschaftlich nahe treten soll und auch ideelle deutsche wissenschaftliche Interessen sich mehr als früher dem Lande zuwenden. Eine solche Expedition hätte für Jahre hinaus Arbeit und hätte zugleich die topographische Basis für alle wirtschaftlichen