Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Die christlichen Kirchen in Palästina
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 237 (sequence 11)
- Language
- German
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237 — Die deutsch-evangelische Gemeinde hatte schon 1850 durch Einrichtung, des preussischen Konsulats Rechtsschutz und 1850 durch Schaffung des evangelischen Pfarramts geistliche Versorgung empfangen; auf diesem Boden hat sie sich heute zu einer Stärke von ca. 250 Seelen entwickelt, die an der 1898 unter Teilnahme des deutschen Kaisers eingeweihten Erlöserkirche ihren sichtbaren Mittelpunkt, an der evangelischen Gemeindeschule ihre Pflanzstätte hat. Die Folgen der Kaiserreise sind mannigfach dem deutschen Einfluss und der evangelischen Kirche im Orient förderliche. Z. B. erfolgte 1cj02 die staatliche Anerkennung sämtlicher in der Türkei gelegenen deutschen Wohltätigkeits- und Unterrichtsanstalten geistlicher wie weltlicher Art; im nächsten Jahre wurde das deutsche evangeliche Institut für Altertumswissenschaft des heiligen Landes eingerichtet; vor wenigen Wochen wurde der Grundstein zu dem deutschen evangelischen Hospiz auf dem Ölberg gelegt. Die Missionsarbeit der deutschen evangelischen Kirche im heiligen Lande ist gegenwärtig unter 4 Kommitees verteilt, die sich zu einer Konferenz zusammengeschlossen haben. Die Kaiserswerther Diakonissendirektion unterhält in Jerusalem seit 1851 ein Hospital mit 9 Schwestern und 90 Betten — 1904 wurden im . Spital 1027 und in der Poliklinik 9813 Kranke behandelt*) — und seit 1853 eine Mädchenerziehungsanstalt Talitha Kumi, in der gegenwärtig 150 arabische Kinder von 12 Diakonissen erzogen werden. Eine kleine Abteilung des Hospitals bildet das 1874 vom Grossherzoge von Mecklenburg- Schwerin gegründete Kinderhospital „Marienstift," das sich* leider trotz seiner Bedeutsamkeit für die Krankenpflege Jerusalems auf die Dauer selbständig nicht halten konnte. Das Syrische Waisenhaus wurde 1860 aus Anlass der Christenverfolgungen im Libanon mit 9—10 syrischen Waisenknaben eröffnet; es erzieht heute vorwiegend arabische Kinder aus Palästina, vorübergehend auch armenische, und unterhält neben der Anstalts- und Tagesschule Lehrwerkstätten, ein Lehrerseminar, die Ackerbaukolonie Bir Salem bei Ramie**) und *) Dr. B. Neumann, ehemaliger Chefarzt am Rothschild'Hospital zu Jerusalem, sagt von diesem — und ähnlich von dem französischen Ludwigs-ilospital: „Die Kranken werden mit echter Menschenliebe, ohne Bekehrungsabsichten, unentgeltlich gepflegt." **) Vergl. „Altneuland" 1906, S. 359 f.