Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Die christlichen Kirchen in Palästina
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 228 (sequence 2)
- Language
- German
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— ^28 — sein Werk vernachlässigten, und so kann es nicht wundernehmen, dass die Zahl der orthodoxen Bevölkerung von 1840 bis 1880 von 90 °/0 der Gesamtbevölkerung bis auf 67 % gesunken ist. Die Lateiner zählen heute in der Stadt Jerusalem, abgesehen von den unierten Religionsgenossen, etwa 4000, nach anderer Schätzung 2500 Seelen, während die Zähl der alteingesessenen orthodoxen Griechen auf 6000 zurückgegangen ist. Bei dieser Missionsarbeit stützt sich die römische Kirche naturgemäss fast ausschliesslich auf ihre Geistlichkeit, auf den Weltklerus und auf die Orden. Den Weltklerus bilden die Patriarcbatspriester, die je zur Hälfte aus Europäern und Arabern bestehen. Die letzteren werden in dem neben der Jerusalemer Patriarchatskathedrale gelegenen Priesterseminar herangezogen und bilden für die Mission ein zugkräftiges Element, da sie mit der Sprach- und Denkweise, mit den Sitten und Ausdrücken ihrer Landsleute aufs engste vertraut sind. Aus diesem Klerus geben die Priester der verschiedenen Patriarchatsmissionen hervor, die in den letzten Jahren hin und her im Lande, oft in ganz unscheinbaren Dörfern, bis weit ins Ostjordanland hinein gegründet worden sind. Im ganzen arbeitet der Weltklerus in 27 Parochien bezw. Missionsstationen, die von 20 bis 600 Seelen zählen; jeder Mission ist in der Regel eine Knaben-, möglichst auch eine Mädchenschule beigefügt, in denen etwas geleistet wird. Die eigentlichen Träger der römischen Kirche in Palästina sind indes die Orden, die an Zahl und Mitteln den Weltklerus weit übertreffen. Sie sind so charakteristisch, dass die Geschichte der lateinischen Kirche in Palästina recht eigentlich Ordensgeschichte ist; und ihre Erfolge sind nicht zu unterschätzen, obwohl sie durchgehends ein fremdes Element in das Land einführen. An der Spitze der Orden steht in Vergangenheit und Gegenwart der Franziskanerorden. Er zählt, ausschliesslich der Seminaristen, etwa 260 Angehörige in Palästina (darunter 50 deutsche); sie verteilen sich auf 18 Niederlassungen für welche neben Kloster und Kirche oder Kapelle das geistliche Hospiz charakteristisch ist. Die bevölkertsten Gemeinden des Landes wie Jerusalem, Bethlehem, Jaffa, 'Ain-Karim, Nazareth unterstehen ihrer Pflege, sie umfassten 1897 rund 10000> Seelen. Die Zentrale der ganzen Kustodie ist das Salvatorkloster zu Jerusalem, die Residenz des Custos Terrae Sanctae^