Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Die christlichen Kirchen in Palästina
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 227 (sequence 1)
- Language
- German
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— 227 — DIE CHRISTLICHEN KIRCHEN IN PALÄSTINA. Von Rektor Eberhard in Zarrentin. II. (Schluss.) Die lateinische, d. i. die römisch-katholische Kirche des Abendlandes, ist durch die Kreuzzüge in das heilige Land verpflan zt worden und hat sich seitdem neben der griechischen Kirche in dem Franziskaner- (1219) und dem Karmeliterorden unter viel Drangsal seitens der Muhammedaner bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hindurchgekämpft. Namentlich die Franziskaner haben ihre Aufgabe gelöst, an den heiligen Stätten die Wacht zu halten und die Besitztitel wie den Bestand der römischen Kirche zu sichern, bis veränderte politische Verhältnisse in der Türkei eine Missionsarbeit mit vermehrten Hülfskräften gestatten würden. Dieser Umschlag trat ein, als 1840 der Bestand der türkischen Herrschaft vor den Angriffen Mehemed Alis von Ägypten namentlich durch die christlichen Mächte des Abendlandes erhalten worden war. Die pflichtmässi^e Folge für die Türkei war, dass die strengen Gesetze gegen Propaganda unter den Moslemen und eingeborenen Christen gemildert wurden. Der Pariser Friede v. J. 1856 brachte dann, wenigstens auf dem Papier, die volle Religionsfreiheit und räumte den christlichen Regierungen ein Schutzrecht über die Anstalten ihrer Nationalität ein. In dieser Zeit, um 1848, hatte Papst Pius IX. den römischen Patriarchenstuhl, der 1291 durch die Flucht des Patriarchen nach Cypern erledigt worden war, aufs neue errichtet und damit für die russische Kirche eine Zeit kräftigen Fortschritts im heiligen Lande eröffnet. Der Wettbewerb brachte es mit sich, dass die Häupter der lateinischen und der griechischen Kirche um die Mitte des Jahrhunderts, Josef Valerga, ein Italiener, und Kyrillos, der frühere Erzbischof von Lydien, alle Kräfte entfalteten. Aber die griechische Kirche war von vornherein im Nachteil, da sie sich auf die Erhaltung ihres Besitzstandes beschränkte, während die römische Kirche durchweg auf Kosten der Griechen Expansionspolitik trieb. Bei einem Besuche im Patriarchat kennzeichnete mir noch jüngst der Patriarch Damianos als das Ziel der Lateiner die Gewinnung der heiligen Stätten und die Erhebung Jerusalems zu einem lateinischen Zentrum gleich -dem abendländischen Rom. Dazu kam, dass Kyrills Nachfolger