Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1907)
- Article
- Die christlichen Kirchen in Palästina
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 172 (sequence 10)
- Language
- German
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— 172 — tümern, namentlich in der Grabeskirche. Gegenwärtig dürfen wohl die russischen Pilger die heiligen Stätten besuchen und manchen Rubel dort hinterlassen, aber eine Führung durch russische Priester oder Mönche ist dabei ausgeschlossen. Ein Anteil an den Besitzstätten hätte neben dem idealen zugleich den praktischen Wert, dass die Besitzkirche vor dem Volke gewissermassen den sichtbaren Beweis der geschichtlichen Zusammengehörigkeit mit der christlichen Urzeit erbringt und dadurch an Geltung gewinnt. Aber das Patriarchat denkt um so weniger daran, den neu eingewanderten Russen das Benutzungs-, geschweige denn das Besitzrecht der heiligen Stätten einzuräumen, als es damit eines seiner uralten Sonderrechte aus der Hand gäbe und sich gegenüber der vorzüglich arbeitenden Organisation der Russen selber zur schlechthinigen Ohnmacht verurteilte. Aber selbst wenn eines Tages Geldnot oder andere Umstände zu diesem Entgegenkommen willig machten, so würden sofort die Lateiner unter Berufung auf die Bestimmung des Berliner Kongresses v. J. 1878, dass bezüglich der heiligen Stätten alles in dem Status quo verbleiben solle, protestieren. Denn die zielbewusste Propaganda der Lateiner verträgt sich naturgemäss mit der russischen Eroberungspolitik viel weniger als mit der griechischen Defensivstellung. Es fragt sich nur, ob bei diesem künftigen Zusammenprall das lateinische Frankreich den Fehdehandschuh der verbündeten Russen im heiligen Lande aufnehmen wird, oder ob es sich, was wahrscheinlicher ist, durch Entgegenkommen gegen die russischen Ansprüche um den letzten Rest der angemassten Protektoratsstellung über den lateinischen Orient bringen wird. Doch das sind Zukunftsfragen. Für die gegenwärtige Machtposition ist noch von Bedeutung, dass Russland bei der letzten Restauration der Grabeskuppel 1868/69 von der Pforte als Bauherr zugelassen ist und sich dadurch ein ideales Besitzrecht an der Grabeskirche erworben hat. Ein Zug von Diplomatie gegenüber der griechischen Kirche ist ferner die Protektorrolle, welche Russland gegen die kleinen Denominationen des orientalischen Christentums, die zum.teil durch die Griechen und Armenier in ihren Rechten beschränkt worden sind, spielt. Aber ungleich wichtiger als diese Schutzstellang zu den wenigen Abessyniern und georgischen Christen in Jerusalem ist für seine Operationen im Lande die Sympathie der eingeborenen Bevölkerung, die Russland sich durch die Pflege des national-arabischen