Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1907)
- Article
- Die christlichen Kirchen in Palästina
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 171 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 171 — ein Platz angekauft, auf dem 1883, 87 und 88 alte Baureste,. vielleicht von der Basilika Konstantins, freigelegt wurden. Auf dem Ölberg besitzen die Russen eine ganze Reihe von Niederlassungen, unter denen gewollt oder ungewollt deT festungsartige Aussichtsturm besonders charakteristisch ist. An weiteren Niederlassungen in Palästina seien nur die Besitzungen zu Jaffa, Ramie, 'Ain-Karim, Bet Dschala, Hebron, Tiberias, Haifa und Nazareth genannt. Dem Landerwerb geht die geistige Bodengewinnung zur Seite; sie wird durch Erziehung und Unterricht der eingeborenen Bevölkerung betrieben. Allerdings ist der russischen Kirche erst durch einen Ferman v. J. 1902 das Recht der Schulgründung eingeräumt worden, aber seitdem schiessen russische Schulen auch wie die Pilze aus der Erde; man zählt gegenwärtig in Palästina und Syrien über 150 — weite Strecken Galiläas sind einfach russifiziert —, und sie sind durchweg mit leistungsfähigen pädagogischen Kräften besetzt. In Nazareth werden eingeborene Lehrer auf dem russischen Seminar ausgebildet, für künftige Lehrerinnen ist die von der Zarin erriete tete Mustermädchenschule in Bet Dschala die Stätte. Nach dem Jahresbericht über das griechische Schulwesen in der neu gegründeten orthodoxen Zeitschrift „Nea Sion" wenden die Russen trotz der neuerlichen griechischen Schulpflege auch heute noch mehr als das Doppelte für Elementarschulen auf als das Patriarchat. Hier werden auf einen Schüler nur 15972» dort 380—400 Piaster verwandt. Die Russen marschieren in dem Unterrichts- und Erziehungswesen mit an der Spitze der in Palästina arbeitenden Nationen und Konfessionen, und sie haben dadurch zur Stärkung der orthodoxen Kirche im Lande letzthin ganz wesentlich mitgewirkt. Die Kehrseite dieses Tatbestandes ist freilich die, dass die griechische Kirche in Palästina immer mehr unter den Einfluss Russlands kommt, und dass Russland sich allgemach dem unausgesprochenen Ziel seiner Kirchenpolitik nähert: der Vormachtsstellung über die ganze orthodoxe Kirche des Orients. Einen wichtigen Schritt zur Verwirklichung dieses Ziels hat freilich das griechische Patriarchat dem reichen, rührigen Glaubensbruder bisher versagt, und es denkt auch in Zukunft nicht an diese Konzession gegen den Rivalen; das ist die aktive Beteiligung der Russen am Gottesdienste in den grossen Heilig-