Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1907)
- Article
- Die christlichen Kirchen in Palästina
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 166 (sequence 4)
- Language
- German
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— 166 — Patriarchats in den letzten Jahrzehnten in der Behauptung des Besitzes der heiligen Stätten, um die sich seit Jahrhunderten die Geschichte der orthodoxen palästinischen Kirche, namentlich im Gegensatz zu den Bestrebungen der Franziskaner, drehte. Dagegen ist zur Abwehr der anderen Konfessionen wenig geschehen, und der Grund für diese Untätigkeit liegt nach Hitrowo nicht sowohl in dem vorgeschobenen Mangel an Mitteln als vielmehr in dem Mangel an Sparsamkeit und in der fehlenden oder schlechten Rechnungsführung. Den Erweis bringt die Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben des Patriarchats. Die Einnahmen belaufen sich auf ca. 223100 Rubel (z. B. aus den Besitzungen in Jerusalem 11600, aus denen in Jaffa 10800, aus Sammlungen in russischen Kirchen 11000, aus Einzelgaben 30000, aus Gaben der Anbeter 70000 Rubel), die Ausgaben betragen 174000 Rubel (z. B. zur Erhaltung der Grabeskirche und der Bruderschaft des heiligen Grabes 19200, für das Hospital in Jerusalem — nb. das einzige griechische in Palästina — 12300, für die Buchdruckerei und -binderei 4600, für die beiden Volksschulen 6200, für 1250 orthodoxe Christen in Jerusalem 19200, für Abwehr der Propaganda 15400, für Führung der Gerichtssachen 53800 Rubel). Aber statt eines Überschusses von 50000 Rubel sind seit dem Jahre 1872 rund 700000 Rubel Schulden gemacht, die jährlich mit 100000 Rubel zu verzinsen sind. Von den Pilgergaben, die jährlich mindestens zu 100000 Rubel gerechnet werden müssten, kommt in Wirklichkeit nur der zehnte Teil bis in die Grabeskasse. Dass die Versäumnisse der kirchlichen Obrigkeit auch von der orthodoxen Bevölkerung des Landes gefühlt werden, beweist das 1875 an den Patriarchen gerichtete Gesuch, das gar keine Antwort erhielt: 1. Jeder Patriarch und Erzpriester muss in seinem Sprengel wohnen; 2. die Volksbildung soll durch einen besonderen Rat beim Patriarchat geleitet werden; 3. der Eintritt in die Grabesgemeinschaft soll jedem Inländer gestattet sein. Eine ähnliche Bittschrift ging 1873 an den Zar Alexander II. So Hitrowo. Aber der Schein wird nicht trügen, dass in den letzten 25 Jahren sich die Zustände in der Verwaltung gebessert haben. Allerdings ist die Schuld, die auf dem Patriarchat ruht, von jenen 700000 Rubel (= 2175000 Mk.) auf 3—4 Millionen Mark gestiegen, aber auch die Einkünfte sind von 725 073 Mk. (= 223100 Rubel) auf gut eine Million -gewachsen; dahin gehören neben den eben genannten Posten