Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1907)
- Article
- Die christlichen Kirchen in Palästina
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 165 (sequence 3)
- Language
- German
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— 165 — durchbrochen, nur dahin eingeschränkt werden, dass der Wohnsitz des Jerusalemer Patriarchen künftighin an Jerusalem statt, wie bisher häufig, an Konstantinopel geknüpft sein solle. So sind noch heute der Patriarch, seine Bischöfe und Räte ebenso wie die Archimandriten und ihre Mönche und die Kirchengutsverwalter Nationalgriechen. Wie beherrschend ihr Einfluss ist, erhellt daraus, dass in den griechischen Schulen, deren Pflege man neuerdings eine grössere Aufmerksamkeit zuwendet, neben der arabischen Landessprache die griechische Kirchensprache mindestens ebenso eingehend behandelt wird, obwohl ihre Kenntnis für den Handel und Wandel des täglichen Lebens nichts austrägt. Der Patriarch leitet die griechische Kirche diesseit und jenseit des Jordans/ Er wird von der ihm nebengeordneten Synode des heiligen Grabes aus der Zahl ihrer 12 Bischöfe und Archimandriten gewählt und wird durch die Bestätigung des Sultans türkischer Staatsbeamter, der als solcher seine Besoldung vom Staate empfängt. Die Stellung der orthodoxen Christen im Lande ist insofern eine andere als die der übrigen Konfessionsangehörigen, als sie als Glieder der Landeskirche im türkischen Orient Untertanen des Sultans sind. Der Patriarch ist also ein religiöser und politischer Beamter. Wie er der Schul-, der Klösterkommission und anderen Verwaltungszvveigen vorsteht, so ist er auch in kirchlichen Eherechtsfragen die oberste Instanz und das Haupt der orthodoxen Bürgermeister, die im türkischen Reiche konfessionellen Charakter tragen. Aber trotz scheinbarer Unabhängigkeit fehlt ihm die Bewegungsfreiheit zu durchgreifendem Handeln. Die Grabesgemeinschaft hat wie seine Wahl so auch seine Absetzung in Händen; sie braucht sich dieserhalb nur an den türkischen Gouverneur in Jerusalem oder an den Patriarchen in Konstantinopel zu wenden. Dass ein durchgreifendes Handeln not täte, ist der allgemeine Eindruck; wie weit es not tut oder wie weit eine Besserung der Zustände eingetreten ist, entzieht sich der weiteren Kenntnis, da Hülfsquellen für den Bestand und die Lage der orthodoxen Kirche äusserst spärlich fliessen. Ich beziehe mich daher im folgenden auf die Angaben des russischen Staatsrats Hitrowo, über dessen Buch „Der orthodoxe Glaube im heiligen Lande" (1881) Professor Dr. Guthe in der „Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins" vom Jahre 1890 eingehend berichtet hat. Nach Hitrowo besteht das Verdienst des-