Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1907)
- Article
- Die christlichen Kirchen in Palästina
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 164 (sequence 2)
- Language
- German
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— 164 — Zeit hindurchgerettet. Freilich nicht ohne manche Verluste an die muhammedanische Religion und, neuerdings, an die lateinische d. h. römisch-katholische Mission. Jenes beweisen z. B. die 12 griechischen Gemeinden Palästinas, die trotz einer Zahl von noch nicht 100 Seelen aus früheren Zeiten eine eigene Kirche besitzen; dieses bestätigen die von den alten orientalischen Kirchen abgesprengten Stücke der mit Rom unierten Griechen, Armenier und Syrer. Wie erheblich dieser Verlust ist, erhellt aus der Statistik über das Wilajet Syrien, nach der sich die Zahl der orthodoxen Griechen auf 131081, die der unierten auf 49734 beläuft. Demnach ist die älteste christliche Kirche Palästinas auch heute noch die grosste im Lande. Es gibt gegenwärtig 50 Gemeinden mit Kirchen am Orte, während an 36 Plätzen, wo orthodoxe Familien leben, ein kirchlicher Mittelpunkt fehlt, was natürlich den schon an sich vorhandenen Tiefstand der religiösen Erkenntnis des griechischen Kirchenvolkes ungünstig beeinflusst. Die Bevölkerung dieser 86 griechischen Gemeinden ist durchweg arabisch, trotzdem ist die Kirchensprache die griechische; nur auf dem Lande wird arabischer Gottesdienst gehalten, während z. B. unter den 28 griechischen Kirchen und Kapellen Jerusalems nur in dreien die Messe auf arabisch gelesen wird. Die Bezeichnung der griechisch-orthodoxen Kirche besteht also für Palästina durchaus zu Recht. Die griechische Nationalität ist in dem Mönchtum wie in der höheren Geistlichkeit fast ausschliesslich herrschend, und die Unterordnung und Abhängigkeit des arabischen Elements ist bereits traditionell. Diese an sich befremdende Tatsache findet geschichtlich ihre Erklärung. Während unter der arabischen Herrschaft stets Inländer die geistlichen Würden in Jerusalem bekleidet halten, änderten sich nach der türkischen Eroberung im Jahre 1517 die Verhältnisse dahin, dass der Patriarch von Konstantinopel als Oberhaupt der gesamten orthodoxen Kirche im türkischen Reiche auf den Jerusalemer Stuhl einen nationalgriechischen Kandidaten setzte, der seinerseits wieder die höheren Stellen mit griechischen Klerikern besetzte und sogar die Regel aufstellte, kein Inländer dürfe für den Patriarchenstuhi in Jerusalem gewählt werden. Diese panhellenistische Strömung wurde mit der Hilfe des byzantinischen Patriarchats zur Tradition, und die Tradition konnte auch durch den kraftvollen Kyrillos, der 1845 den Stuhl des heiligen Jakobs bestieg, nicht