Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1907)
- Article
- Die Bekämpfung des Trachoms
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 95 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 95 — Von den Schulen sind die Kinder, solange eine starke Sekretion besteht, fernzuhalten, sonst von den Gesunden getrennt zu setzen. Eine obligatorische Untersuchung der Augen eines jeden neuen Ankömmlings in den Schulen, Waisenhäusern, Pilgerhäusern, eventuell eines jeden neuen Kolonisten würde eine starke Quelle der Verbreitung verstopfen. Bei der grossen Verbreitung der Seuche wäre aber vor Allem die Errichtung einer Zentralstelle, eines grossen modern eingerichteten Augenspitales in Jerusalem eine Notwendigkeit. Alle Bekenntnisse empfinden den Mangel und jüngst wurde von Seiten katholischer Missionare Propaganda für ein solches Spital gemacht. Wir Juden sollten hier zuvorkommen; es ist unsere Ehrenpflicht, in dem Lande unserer Väter Gesittung und Gesundung zu verbreiten. Auch würde die türkische Regierung einen solchen Plan fördern. In zweiter Linie kommen folgende Massregeln in Betracht. Im benachbarten Ägypten hat die Regierung wandernde ophtalmologische Krankenhäuser errichtet. Sir Ernest Cassel hat der ägyptischen Regierung über eine Million Mark dazu zur Verfügung gestellt. Vielleicht kommt Sir Cassel, der noch Jude ist (?), auf die Idee, auch in Palästina ein ähnliches Werk durchzuführen. Einer der hervorragendsten Augenärzte Londons, Dr. Max Callan, wurde vom ägyptischen Ministerium des Innern damit beauftragt, den Sanitätsdienst zu organisieren und er löste seine Aufgabe mit grosser Umsicht. Das ambulante Krankenhaus sieht, wie „La Nature" berichtet, äusserlich allerdings nicht sehr imposant aus, etwa wie ein Militärlager. Eine Anzahl von Zelten nimmt die Kranken und ihre Wärter auf, das grösste Zelt dient als Operationssaal, ein anderes als Wohnung Dr. Callans. Zum erstenmal wurde das Zeltlager in der Nähe einer Stadt im Nildelta aufgeschlagen und Dr. Callan mit seinen eingeborenen Assistenten hatte hier hauptsächlich die Krankheit zu behandeln, die der schreckliche Staub verursacht, den der „Chamsin", der heisse Wüstenwind um die Zeit der Tag- und Nachtgleiche aufwirbelt. Die Visite wird schnell vorgenommen, die 200 Kranken, die sich täglich melden, werden in einer langen Reibe aufgestellt und behandelt. Im Juli musste Dr. Callan wegen der drückenden Hitze, als er gerade Damiette passierte, seine wandernde Klinik auflassen und die Kranken im Krankenhause der Stadt unter-