Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1907)
- Article
- Die Bekämpfung des Trachoms
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 93 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 93 — einem entzündeten Gewebe. Dieses deutliche und tiefgehende Mitergriffensein der ganzen ^Bindehaut beim Trachom bietet im Anfangsstadium das wichtigste und hauptsächlichste Unterscheidungsmittel gegen den einfachen Bläschenkatarrh. Das Trachom entsteht durch Übertragung des infektiösen Sekrets von einem Individuum auf das andere; eine Ansteckung durch die Luft scheint ausgeschlossen, weshalb auch akute,, sich schnell verbreitende Epidemien nicht vorkommen. Das Sekret verdankt seine Ansteckungsfähigkeit höchstwahrscheinlich einem Mikroorganismus, den man aber bis heute nicht gefunden hat; in letzter Zeit gelang es, auf der Bindehaut des Auges eines Affen durch Impfung des Sekrets Trachom zu erzeugen; vielleicht führt dieser Weg zur Entdeckung des eigentlichen Krankheitserregers. Da das Sekret allein die Ansteckung vermittelt, so steht die Infektionsgefahr, die ein bestimmter Fall mit sich bringt, im geraden Verhältnis zur Stärke der Sekretive; je reichlicher diese ist, umso grösser wird die Gefahr für die Umgebung des betreffenden Kranken. Dass für die Ausbreitung, beziehungsweise Sesshaftigkeit der Krankheit auch örtliche Momente mitwirken können, ist, wenn auch denkbar, bisher unerwiesen. So zeigen die Trachomdörfer auf dem Eichsfelde, dass die Höhenlage keine Immunität gibt. Die Krankheit kommt in feuchten Niederungen, wie in trockener Ebene vor. (Schmidt- Rirapler). Die Übertragung des Sekrets von einem Auge auf das andere geschieht zumeist indirekt, durch die Finger oder hauptsächlich durch gewisse Toilettenartikel, welche mit dem Auge in Verbindung kommen, wie Schwämme, Handtücher, Taschentücher u. dergl. Die Gelegenheit dazu ist besonders dann geboten, wenn eine grössere Anzahl von Personen gemeinschaftliche Schlafstätten benützt, und dabei der oben genannten Gegenstände gemeinschaftlich sich bedient. Das Trachom findet daher seine grösste Verbreitung in Kasernen, Strafanstalten, Armenhäusern, Erziehungsanstalten, Waisenhäusern und Schulen aller Art. Derselbe Faktor macht sich auch bei der dicht zusammenwohnenden armen Bevölkerung ausserhalb solcher Anstalten geltend. Begünstigende Momente für die Verbreitung des Trachoms sind also Unreinlichkeit, Zusammenwohnen in engen Räumen, Armut und last not least Dummheit oder Unwissenheit.