Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1907)
- Article
- Das Palästina-Komitee in Odessa
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 81 (sequence 3)
- Language
- German
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— 81 — zu einer stetig wachsenden jüdischen Heimstätte im heiligen Lande zu legen. Dieser Gedanke verbreitete sich damals unter den russischen Juden wie ein Lauffeuer, bemächtigte sich fast der gesamten jüdischen Presse und begeisterte Jung und Alt. In unzähligen Broschüren und Zeitungsartikeln wurde die Idee einer Wiedergeburt des viel geplagten jüdischen Volkes in Palästina eifrig propagiert und eine grosse Anzahl von Vereinen in Russland und Rumänien stellte sich in den Dienst der heiligen Sache. Ohne viel zu klügeln und zu kalkulieren erhob sich denn auch eine Anzahl ideal gesinnter Männer, ging nach Palästina und gründete mit unzulänglichen Mitteln die ersten jüdischen Kolonien. So entstanden in jener Sturm- und Drang Periode die Kolonien Sichron-Jacob, Rosch-Pinah und Jessod- Hamalo in Galiläa, Rischon-le-Zion in Judäa. Auch die Kolonie Petach-Tikwah bauten sie weiter aus und das alles ohne genügende landwirtschaftliche Vorbildung und ohne ausreichende finanzielle Grundlage. Es ist erklärlich, dass diese braven Pioniere trotz aller ihrer Begeisterung nur allzubald in die grössten Schwierigkeiten gerieten und dem jungen Werke vollständiger Untergang drohte. In diesem kritischen Augenblicke taucht nun der Chowewe - Zionismus auf. Seine Parole lautete: das spontan begonnene jüdische Kolonisationswerk in Palästina darf nicht seinem Schicksal überlassen werden, es ist Sache des gesamten Volkes, es zu unterstützen und weiter zu führen. Es entstanden viele Yereine von Chowewe-Zion (Palästina-Freunden) und Sammlungen wurden überall veranstaltet zu gunsten der bedrohten Kolonien. Allein, die Not war zu gross^ um durch solche Sammlungen gemildert, geschweige beseitigt werden zu können. Glücklicherweise fanden die Kolonien einen Gönner in der Person des Barons Edmund Rothschild, der die drei grösseren Kolonien Rischon-le-Zion, Sichron-Jacob (damals noch Samarien) und Rosch-Pinah im Jahre 1883 unter seine Obhut nahm, so dass den Chowewe-Zion nur die Sorge über Petach-Tikwah, das wenig bevölkerte Jessod-Hamalo und die Mitglieder der Pionier Organisation „Bilu" übrig blieb. Dieser Zustand dauerte bis zum Jahre 1884, als die bereits recht zahlreich gewordenen Vereine der Chowewe-Zion in Kattowitz unter Führung des Verfassers der Broschüre „Autoemanzipation", Dr. L. Pinsker, sich zu einem Verbände zusammenschlössen, und seither eine einheitlichere zielbewusstere