Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1907)
- Article
- Zur Frage der Ausbildung von Kolonisten-Frauen in Palästina
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379797-2379799-2381092--00796-2381142- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 6 — Auch die Verdrängung des blutsaugerischen Zehntenpachtes durch eine allgemeine Institution wird ernsthaft erwogen, obgleich diese Frage noch weit von einer Klärung entfernt ist. Viele meinen sogar, dass sie sich ohne Mithilfe der Mächte überhaupt nicht lösen lasse, während nach anderen schon jetzt eine Geneigtheit in Konstantinopel vorhanden sein soll, auch ausserhalb Macedoniens mit diesem unhaltbaren System der Steuerverpachtung an den Meistbietenden zu brechen, oder wenigstens für ganze Dorfgruppen eine Oscherpacht gleich für eine Reihe von Jah ren zu einem berechneten Mittelwerte zuzulassen. Es bleiben dann aber noch die oben geschilderten antiagrarischen Eigenschaften der Juden als ein grosses Hindernis, und die Versuche, diese durch eine methodische landwirtschaftliche Erziehung der Jugend zu beseitigen, sind bisher nur teilweise geglückt, wie die Erfahrungen der Alliance israelite in Mikweh Israel bei Jaffa und Djedeida in Tunis sowie der I. C. A. in Or Iehuda in Kleinasien erweisen. Freilich lassen sich in der letzten Zeit bedeutende Fortschritte nicht verkennen; während früher im wesentlichen Agrikultur-Beamte die Schulen verliessen, so liefern sie jetzt auch relativ gute Pächter. Die Erfolge würden aber weit grösser sein, wenn die jungen Leute auch geeignete Frauen finden würden; parallel der Erziehung der Knaben für den Landbau müsste es auch eine landwirtschaftliche Erziehung der Mädchen geben. Sie müssten so erzogen werden, dass sie ihren Stolz darein setzen, ihren zukünftigen Männern bei allen landwirtschaftlichen Verrichtungen hilfreich an die Hand gehen zu können. Dass die Alliance israelite oder die Jewish Colonization Association eine solche Schule errichten werden, ist leider fast ausgeschlossen; die I. C A. unternimmt erziehliche Aufgaben nur im Anschluss an ihr Kolonisationswerk, der Alliance fehlt aber in Bezug auf Palästina der nötige Elan, im Gegensatz zu ihren Begründern betrachtet sie Palästina mehr und mehr nur noch als einen durch Tradition werten Lastposten, aber nicht mehr als Feld energischer Arbeitstätigkeit. Weit eher ist auf den kräftig aufstrebenden Hilfsverein der Deutschen Juden zu rechnen, doch ist derselbe durch andere Aufgaben auch in Palästina so sehr in Anspruch genommen, dass er, der leider keine I. C. A. als Geldspender hinter sich stehen hat, wohl kaum in absehbarer Zeit auch noch diese Arbeit in Angriff nehmen dürfte.