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Palästina · 1907-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1907) · p. Seite 5

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Journal
Palästina
Volume
4 (1907)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1907)
Article
Zur Frage der Ausbildung von Kolonisten-Frauen in Palästina
Date
1907-01-01
Page
Seite 5 (sequence 3)
Language
German
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— 5 — Was die Verhältnisse Palästinas selbst betrifft, so betonen noch immer Manche die geringe Tauglichkeit des Landes für den Ackerbau. Es ist schon so oft nachgewiesen, dass dies nur für einen Teil des Gebietes richtig ist, andererseits aber noch ausserordentlich viel sehr gut brauchbares Land brach liegt, dass man eigentlich kaum mehr nötig haben sollte, auf diesen Punkt näher einzugehen. Sei dem aber wie es wolle, jedenfalls steht es fest, dass ein Mangel an brauchbarem Lande bisher nach keiner Richtung der Kolonisation irgend welche Schranken gezogen hat, und auch auf Generationen hinaus nicht ziehen wird. Ein Beweis dafür ist der beständige Zukauf von gutem Land für die jüdischen und deutschen Kolonien. Weit hinderlicher ist hingegen die Schwierigkeit und Umständlichkeit des Landerwerbes in der Türkei, die aber in der letzten Zeit durch die Anglo-Palestine Co., die Geulah schon in gewissem Masse behoben ist und für die I. C. A. (Jewish Colonization Association) infolge ihrer Organisation und ihres Kapitalreichtums überhaupt nicht in dem gleichen Grade in Betracht kommt. Von noch geringerer Bedeutung für die Entwicklung der Besiedelung Palästinas ist das sog. Einwanderungsverbot, das in der Praxis nicht besteht und daher auch keineswegs ververhindert, dass eine ständige Einwanderung von Juden in die Städte Palästinas stattfindet, die sogar zeitweise schneller vor sich geht, als der Bedarf der Städte an Zuwanderern wächst. Von weit grösserem Nachteil für die Kolonisation ist hingegen die schwere Besteuerung des Landmannes in der Türkei, da fast alle Lasten auf dem platten Lande ruhen und manche Steuern infolge der unpraktischen Art der Erhebung durch Steuerpächter zu einer, namentlich in schlechten Jahren, überaus drückenden Last werden. Noch wichtiger aber ist das absolute Fehlen des Bodenkredits, infolge des mangelhaften türkischen Hypothekenrechtes und der Insufficienz der bestehenden staatlichen Agrarbank. Eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben der realen Palästinaarbeit ist die, die beiden letzten Schäden der Landwirtschaft Palästinas zu heben oder wenigstens wesentlich zu mildern, und immer vernehmlicher wird daher, namentlich unter den alle Palästinafragen tiefer und ernster auffassenden russischen Gesinnungsgenossen, der Ruf nach einer jüdischen Agrarbank oder wenigstens zuerst nach einem Surrogat derselben in Gestalt eines Agrarfonds.

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