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Palästina · 1907-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1907) · p. Seite 4

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Journal
Palästina
Volume
4 (1907)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1907)
Article
Zur Frage der Ausbildung von Kolonisten-Frauen in Palästina
Date
1907-01-01
Page
Seite 4 (sequence 2)
Language
German
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_ 4 — der Kolonisation ein schnelleres Tempo zu geben. Es liegt dies einerseits an dem für die Landwirtschaft in ihrer heutigen Form nicht besonders gut tauglichen Menschenmaterial, auf das wir angewiesen sind, andererseits an den allgemeinen Verhältnissen des Landes. Was das Material betrifft, so legen die einen das Hauptgewicht auf die geringe Eignung der Juden mit ihren spezifischen Neigungen für den Landbau, auf die Unbeständigkeit, die das eintönige Landleben unerträglich erscheinen lässt, auf die Nervosität, welche die gleichmässige und den Geist selten anspannende Arbeit nicht verträgt, auf den Mangel an Ausdauer und das Fehlen von Fatalismus, wodurch im Falle von Missernten leicht Mutlosigkeit entsteht, auf den Wunsch, schnell zu verdienen oder sich wenigstens an der Möglichkeit schnellen Verdienstes zu berauschen, was beides beim Ackerbau ausgeschlossen ist, auf das den Juden immanente Streben, den Kindern durch gute Schulen die Möglichkeit zu bieten, es weiter zu bringen als sie selbst, auf den Wunsch einen Arzt in der Nähe zu haben, auf den Geselligkeitstrieb, die Vergnügungs- und Putzsucht der jüdischen Frauen, sowie auf die Abneigung derselben, sich noch ausser der Kindererziehung und der Besorgung des Hausstandes auch um die Bewirtschaftung des Nutzgartens und Viehhofes zu kümmern oder gar dem Manne, wenn es not tut, in der Landwirtschaft behilflich zu sein. Andere führen wieder die geringe, körperliche Leistungsfähigkeit der Juden an, dies aber zweifellos mit Unrecht, denn diese hält die Juden nicht ab, weit schwerere Berufe im Handwerk und Handel zu ergreifen, wie die vielen Maurer, Tischler,. Schmiede, Schlächter, Lastträger, Flösser, Holzfäller, Hafenarbeiter, Hausierer zur Genüge beweisen; ausserdem erfordert bei den jetzigen maschinellen Hilfsmitteln die Landwirtschaft im grossen ganzen keine besonderen Kraftanstrengungen, und wird in vielen Gegenden Mitteleuropas, wo die Männer in den Industriezentren arbeiten, auch im wesentlichen durch Frauen und Kinder betrieben. Selbst die wenigen anstrengenderen Manipulationen, wie Heumähen und Aufladen, erfordern mehr Routine als Kraft, und nichts ist irreführender als die Abbildungen pflügender Männer mit herkulisch ausgebildeten Armmuskeln; das den Pflug ziehende Vieh bedarf der Muskeln, nicht der Mensch. Muskelkraft findet man im städtischen Handwerk im Durchschnitt wahrscheinlich mehr vertreten als auf dem Lande.

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