Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Neue Vereine zur Kolonisation Palästinas
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 234 — züchtete, muss durch das der wirtschaftlichen Selbständigkeit ersetzt werden. Die Kolonisation soll nicht nur eine landwirtschaftliche, sondern auch eine industrielle sein, nicht nur Palästina, sondern auch die Nachbarländer umfassen. Alle mit einer rationellen Kolonisationstätigkeit zusammenhängenden Massnahmen, wie Erforschung des Landes, Versuchsstationen, Auskunft für bemittelte Emigranten, Bildung von Siedelungsgenossenschaften, Erwirkung günstiger Ansiedelungsbedingungen bei den Landesverwaltungen usw. müssen in das Programm der Kolonisationsvereine aufgenommen werden. Hierbei müssen die Vereine mit dem früheren System, kleine, vereinzelte, lebensunfähige Schöpfungen auf eigene Hand zu gründen, prinzipiell brechen und in ständiger Zusammenarbeit mit allen verwandten Institutionen an dem grossen, planvollen Siedelungswerke nach Massgabe ihrer Kräfte sich beteiligen. Die Diskussion eröffnete Dr. E. F. Weisl, Vizepräsident der allgemeinen österreichischen Kolonialgesellschaft, mit fachmännischen Bemerkungen über die erwünschteste Methode der Kolonisation in Palästina. Er warnte vor überstürzter Grosskolonisation und verlangte vorsichtige Kleinkolonisation auf wachsender Stufenleiter. Auch sollte die Kolonisation nicht reine Ackerbaukolonisation, sondern eine gemischte, also auch gewerbliche sein. Schliesslich betonte der Redner die Unerlässlichkeit der Kooperation, da nur mit grossen Mitteln wirklich Bedeutendes geschaffen werden könne. Hierauf erhob sich Architekt Oskar Marmorek, Mitglied des Aktionskomitees der zionistischen Organisation, um im Namen seiner Parteigenossen den neuentstehenden Kolonisationsverein aufs wärmste zu begrüssen. Er gab die Erklärung ab, dass die Leitung des politischen Zionismus, unter Wahrung ihres abweichenden Standpunktes und ihrer weiter reichenden Ziele, die Förderung der Palästinakolonisation durch andere wichtige Gruppen der Judenheit nur als hochwillkommene Unterstützung ihrer eigenen Bestrebungen auffassen könne und demzufolge dem österreichischen Kolonisationsverein die gewiss nicht zu verachtenden Kräfte ihrer Partei voll zur Verfügung stelle. Auf Antrag des Rabb. Dr. David wurde nun, angesichts der Einhelligkeit, mit der alle Anwesenden der Idee der Gründung eines Kolonisationsvereines zustimmten, eine Kommission gewählt, welche sich mit dem Entwürfe der Satzungen und den Vorbereitungen zur Organisierung des Vereines zu beschäftigen hat. Die Kommission setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Präsident Dr. Alfred Stern, Dr. Rudolf Auspiz, Oberrabb. Dr. Güdemann, Baurat Stiassny, Architekt Oskar Marmorek, Rabb. Dr. Bloch, Rabb. Dr. David,