Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Neue Vereine zur Kolonisation Palästinas
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 2)
- Language
- German
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— 233 — Die konstituierende Versammlung des österreichischen Kolonisationsvereines fand im Mai 1904 auf Einladung des Präsidenten Dr. Alfred Stern im grossen Sitzungssaale der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde statt. Die hervorragendsten Repräsentanten aller im öffentlichen Leben hervortretenden Gruppen der jüdischen Bevölkerung waren dem Rufe gefolgt und es war ein Augenblick voll Feierlichkeit, als der Vorsitzende diese Versammlung, die für die Palästina-Idee alle Parteizwistigkeiten zurücktreten Hess, zur formellen Gründung des Kolonisationsvereins aufforderte. In beredten, mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Worten setzte Dr. Stern auseinander, wie schon während der unlängst geschlossenen Palästina-Ausstellung der Gedanke, einen solchen Verein in Wien ins Leben zu rufen, aufgetaucht wäre. Er wies auf das grosse Ziel hin, welches Vereinen dieser Art, wie etwa der in Deutschland bestehende „Esra", vorschwebt und sprach die bestimmte Erwartung aus, dass alle Parteien der jüdischen Gemeinden Wiens und anderer österreichischen Städte an diesem Werke in voller Einigkeit und in regster Weise sich beteiligen werden. Hierauf erteilte der Vorsitzende das Wort an Dr. Alfred Nossig, der als Vertreter des Pariser Zentralkomitees und der Berliner Propaganda-Kommission der Kolonisationsvereine im wesentlichen folgendes ausführte: Seit kurzer Zeit macht sich ein mächtiges Aufblühen der Arbeit an dem palästinischen Siedelungswerke bemerkbar. Es entstehen neue Gesellschaften zu genossenschaftlichem Bodenkauf in Palästina. Zwei grosse Organisationen, die sich früher, allerdings aus verschiedenen Gründen, an der Kolonisationsarbeit in Palästina nicht beteiligten, die Ica und der politische Zionismus, greifen nun mit erheblichen Mitteln ein. Die Palästina-Kommission hat die Erforschungstätigkeit aufgenommen, es werden Schulfarmen, Handelsgesellschaften und neue Kolonien gegründet. Die Kolonisationsvereine endlich erwachen zu neuem, kräftigem Leben. In den letzten sechs Monaten ist für das Palästinawerk mehr geschehen, als in den letzten sechs Jahren. Diese erneuerte Tätigkeit ist darauf zurückzuführen, dass die jüdischen Kolonien nach einer langjährigen Krise, welche durch mannigfache Fehler in der Anlage und der Führung derselben veranlasst war, endlich zu wirtschaftlicher Blüte gelangt sind und das Siedelungswerk demnach gute Aussichten bietet. Wenn nun heute an die Bildung neuer Kolonisationsvereine geschritten wird, so muss schon das Statut derselben so verfasst sein, dass jene verhängnisvollen Fehler der ersten Versuchsperiode vermieden werden. Dem österreichischen Verein fällt die Aufgabe zu, ein derartiges, auf den bisherigen Erfahrungen und auf gesunden wirtschaftlichen Prinzipien basiertes Musterstatut zu entwerfen. Das alte Unterstützungssystem, welches Schnorrerbauern