Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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— 207 - 10. Auch im Verhältnis zu anderen, für Palästina tätigen Faktoren, wie die J. C. A. und das Rotschildsche Palästina-Komitee es sind, kann unsere Direktive nur friedliches Zusammengehen und loyaler Anschluss sein. Ja, ihnen gegenüber lastet auf uns eine Ehrenpflicht. Wir müssen die Unbill gutmachen, welche eine allzu herbe, von einseitigem Gesichtspunkte geführte Kritik in den letzten Jahren ihnen zugefügt hat. Man hat ihre Fehler dem Publikum durch ein Vergrösserungsglas gezeigt; für ihre Verdienste war man blind. Man hat es Baron Edmund Rotschild zum Vorwurf gemacht, dass er das Palästinawerk auf dem Wege der Kleinkolonisation inauguriert hat. Man hat die J. C. A. als eine antipalästinensische Institution gestempelt, weil sie in Amerika kolonisiere und angeblich für Palästina nichts tun wolle. Die Entwicklung der Ereignisse lässt uns das alles heute in einem ganz anderen Lichte sehen: in jenem, in dem es der Historiker erblicken wird. Heute tritt das Rotschildsche Pionierwerk in seiner ganzen geschichtlichen Bedeutung hervor; heute hat sich die Richtigkeit der prinzipiellen Methode seiner Kolonisation glänzend bewährt. Und wenn das Judentum diesem grossen Philantropen die Eröffnung des palästinensischen Ansiedelungswerkes, die Schaffung seiner Die Divergenz bezieht sich also nicht auf das Ziel, sondern bloss auf die Methode. Dass nun, wie manche behaupten, durch die blosse Aenderung der Methode innerhalb des Zionismus eine Spaltung hervorgerufen werden könnte, ist ebenfalls eine irrige Anschauung. Ein Gegensatz oder Widerspruch zwischen der von mir vorgeschlagenen Kolonisation Palästinas und dem offiziellen zionistischen Programm besteht absolut nicht. Das Baseler Programm, welches die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk als das Ziel des Zionismus bezeichnet, nennt als erstes Mittel zur Erreichung dieses Zieles: „die zweckdienliche Förderung der Besiedelung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden." Erst als viertes und letztes Mittel weiden „Vorbereitende Schritte zur Erlangung der Regierungsbestimmungen" angeführt. Allerdings hat innerhalb der zionistischen Organisation mit der Zeit die Anschauung Geltung erlangt, dass dieses vierte und letzte Mittel vor dem ersten zur Anwendung gelangen müsse, und dass vor einem vollen Erfolge in dieser Hinsicht die vorangehenden Punkte und insbesondere der erste nicht zur Verwirklichung gelangen dürfen. Wenn ich nun vorschlage, das erste Mittel vor dem vierten oder mindesiens gleichzeitig mit demselben, zu realisieren, so befolge ich damit das Baseler Programm logischer und getreuer als die Interpretation, welche momentan gang und gäbe ist. Kann mir daraus ernstlich ein Vorwurf erwachsen? Eine seltsame Beobachtung drängt sich hier auf, die mit Wehmut, erfüllen könnte: So weit ist es im Zionismus gekommen, eine so paradoxale Entwicklung hat er erfahren, dass heute diejenigen, welche innerhalb des Zionismus für die Besiedelung Palästinas sprechen, als Hochverräter gestempelt und der Spaltungssucht geziehen werden; jene aber, die die Kolonisation Ostafrikas vorschlagen, gelten als die Erhalter der Einigkeit. Ich meine: anstatt die Freunde der ununterbrochenen Besiedelung Palästinas anzugreifen, sollten alle Zionisten in strikter Befolgung des Baseler Programmdie Entfaltung einer sofortigen praktischen Tätigkeit in Palästina verlangen und durchsetzen. Und gleichzeitig sollten sie mit uns gemeinsam an dem Werke der freundschaftlichen Annäherung aller jüdischen Organisationen und aller Gruppen des jüdischen Volkes arbeiten, welche für die Erreichung des letzten Zieles des Zionismus unerlässlich ist."