Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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- 206 — So muss also die Vereinigung der Kolonisationsgesellschaften nicht als Konkurrenz, sondern als legitime und unerlässliche Ergänzung der verschiedenartigen Organisationen von diesen selbst erkannt und anerkannt werden. Nicht Kampf, nicht Spaltung im Lager des Judentums kann die. Losung der Kolonisationsvereine sein: ihr ganzes Bestreben muss sich im Gegenteil darauf richten, alle anderen jüdischen Organisationen, welche in irgend welcher Richtung in Palästina tätig sind oder auch ihren Statuten nach in Zukunft tätig sein können, zu freundschaftlicher Verständigung, zu kollegialem, dauernd gemeinsamem Arbeiten zu veranlassen. Nur bei einer derartigen Konzentration kann die enorme Aufgabe der Gründung einer Heimstätte für die Juden in Palästina gelöst werden: nur auf dieser Grundlage ist die Fortführung der Kolonisation nach einem gemeinsamen, einheitlichen Plane möglich. Innerhalb der zionistischen Organisation vollzieht sich gegenwärtig ein Prozess, der sie den Kolonisationsvereinen viel näher bringen wird als bisher. Allexorten wird jetzt die Losung ausgegeben, von unten, auf zu bauen. Was ist natürlicher, als dass die zionistischen und die palästinophilen Vereine unter diesen Umständen, unbeschadet ihres beiderseitigen autonomen Sonderbestandes, einander die Hand reichen, als dass die Organisation der Kolonisationsfreunde mit der Nationalfondskommission und mit der Kommission zur Erforschung Palästinas freundschaftlich zusammengehe?*) *) Der Klarstellung des Verhältnisses der .Kolonisationsbewegung zum Zionismus diente auch der von mir in der „Ungarischen Wochenschrift" (1903, No. 49) veröffentlichte Artikel „Einigkeit oder Spaltung?", dem ich fo'gende Stellen entnehme: „In manchen zionistischen Organen wurde die Behauptung aufgestellt, dass die gegenwärtig erneuerte Tätigkeit auf dem Gebiete der Kolonisation Palästinas eine Spaltung im Zionismus hervorzurulen bestimmt sei. Ich will nun dartun, dass dies weder der Zweck dieser Tätigkeit ist, noch die Folge derselben sein kann. In den Versammlungen der Paläb tinafreunde zu Berlin (19. Oktober), Hamburg (12. November) und Breslau (18. November) ist es sowohl von mir als Referenten wie auch von anderen Vertretern der Berliner Propaganda-Kommission der Kolonisationsvereine mit allem Nachdruck festgestellt worden, dass der Ausgangspunkt und die Grundlage der erneuerten Kolonisationstätigkeit in der jüngst erfolgten Ueberwinduug der wirtschaftlichen Krise der Palästinakolonien zu suchen sei. Neben dieser Tatsache, welche einer neueren regeren Kolonisationstätigkeit in Palästina Erfolg verspricht, kommt der zweite Umsland in Betracht, dass die zionistische Parteileitung auf dem letzten Baseler Kongress die Bemühungen um einen Charter in Palästina für vorläufig aussichtslos erklärt hat. Aus dieser Erklärung fliesst zweierlei: 1. dass der Weg der Kolonisation zur Zeit sich gangbarer erweist als der rein diplomatischen Bestrebungen, 2. dass eine regere politische Kolonisationstätigkeit in diesem Stadium die Bemühungen des politischen Zionismus in keiner Weise zu hindern oder zu durchkreuzen geeignet ist. . Letztere Erwägung gehörte zu den massgebenden für mich und meine Gesinnungsgenossen, da wir es uns zur Richtschnur genommen haben, sowohl innerhalb des Zionismus, als auch ausserhalb desselben positiv Arbeit für Palästina zu leisten, ohne hierbei Bestrebungen, die auf anderem Wege dasselbe Ziel erreichen wo.len, zu hemmen.