Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379793-2379796-2380883--00698-2381027- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 201. — keit die von verschiedenster Seite unternommenen Werke ineinandergreifen, sich ergänzen, zu einem festen, organischen Ganzen emporwachsen werden, statt sich zu verzetteln oder gar miteinander zu kollidieren. Die Terrainkäufe, die Emigrationsaktionen, die Ansiedelungen, die industriellen Unternehmungen, die Schulgründungen und die Chaluka müssen sich künftighin wie die Ziegelsteine in einem Bau planvoll aneinanderreihen. Wie nützlich, ja unentbehrlich eine dauernde Verständigung und das Vorgehen durch gemeinsame Organe erscheint, soll nur an einem Punkte erläutert werden. In dem Augenblicke, wo der Bodenkauf in Palästina ein rascheres Tempo annähme, würden — ohne eine solche Verständigung — die verschiedenen Palästinagesellschaften und Privatleute einander Konkurrenz machen und durch verstärkte Nachfrage die Preise emporschrauben. Würde aber eine einzige, gemeinsame Geschäftsstelle alle Bodenkäufe in Palästina besorgen, so bekäme man die Terrains im Gegenteil zum billigsten Preise. Es ist ferner heute schon klar, dass unsere Kolonisation gegenwärtig, insoweit uns die Türkei keine politischen Hindernisse in den Weg legen würde, von wirtschaftlichem Standpunkte in rascherem Tempo und in viel grösserem Massstabe vor sich gehen könnte, als es bis jetzt der Fall war. Nicht nur darum, weil wir auch die städtische und industrielle Kolonisation in Betracht ziehen, weil wir sogar vor der Gründung ganzer neuer, durchaus moderner jüdischer Stadtanlagen nicht zurückzuschrecken brauchen — denken wir z. B. an klimatische Stationen an der Küste, an ein städtisches Zentrum in der Nähe unserer Kolonien —, sondern auch darum, weil wir in der Sphäre der landwirtschaftlichen Kolonisation bereits eine zwanzigjährige Versuchsperiode hinter uns haben — woran es uns in jedem anderen Lande gebricht —, weil wir heute schon ganz genau wissen, auf welcher Grundlage, nach welchem System wir mit Erfolg kolonisieren können. In Afrika aber, wTohin wir gedrängt werden, um eine sofortige Kolonisation zu beginnen, müssten wir erst diese Versuchsepoche, diesen jahrzehntelangen Leidensweg aufs neue durchmachen. Wenn wir daher auch keineswegs an eine überstürzte, abenteuerliche. Massenkolonisation denken, so wird unsere Tätigkeit doch auch nicht mehr die kleinliche Versuchskolonisation der ersten Zeiten zu sein brauchen. Was der historische Augenblick verlangt und gestattet, ist eine entwi ckelungsmässige Kolonisation, die mit der Zeit in immer rascherem Tempo zu einer Grosskolonisation werden wird.