Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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— 200 — gemeineren, sie zu einem Volk auf eigenem Boden zu machen, zu einem Volk, das diesen Boden füllt und alle sozialen Berufe selbst ausübt. Wir müssen also unsere Emigranten — selbstverständlich in entsprechender Auswahl — auch nach den bestehenden Städten lenken, wir müssen diese Städte mit jüdischer Intelligenz, mit jüdischen Kaufleuten und mit jüdischen Handwerkern füllen und durch eine Reihe von industriellen Gründungen für jüdische Arbeiter und jüdische Techniker die Erwerbsgrundlagen schaffen. Wir beschäftigen uns immer nur mit dem gänzlich unqualifizierten jüdischen Proletariat. Vergessen wir nicht, dass es im Osten infolge der rechtlichen Beschränkungen auch ein enormes intellektuelles, qualifiziertes Proletariat gibt. Auch für dieses nluss ein Abfluss geschaffen werden, und kann ein Abfluss in historisch bedeutsamem Sinne, in dauernd nützlicher Weise geschaffen werden. Selbstverständlich darf diese Hinüberleitung unserer Intelligenz und die Gründung von industriellen Unternehmungen nicht aufs Geratewohl erfolgen. Und hier kommen wir zu einem unserer wichtigsten Programmpunkte. 4. Das jüdische Ansiedelungswerk muss auf Grund entsprechender Forschungsarbeiten und nach einem einheitlichen Plane erfolgen. Die Hauptursachen der ersten Misserfolge waren der Mangel an Informationen, die Planlosigkeit, Anarchie und Inkohärenz der Ansiedelungstätigkeit. Bei einer bevorstehenden verstärkten Wiederaufnahme müssen wir zunächst das ganze in Aussicht genommene Kolonisationsgebiet, also nicht nur, wie es früher geschah, das spezielle Terrain der nächsten Ansiedelung, sondern ganz Palästina und die Nebenländer, in geographischer, wirtschaftlicher, hygienischer und administrativer Hinsicht gründlich erforschen lassen. Wir müssen hierauf eine Art wirtschaftlicher Generalstabskarte, einen kolonialen Feldzugsplan entwerfen und dieselben auf dem Wege einer dauernden Verständigung zwischen allen im Orient tätigen jüdischen Organisationen zu einer festen Richtschnur für unsere gesamte Kolonisationsaktion machen. Es wäre verfrüht, heute die Grundlinien dieses Kolonisationsplanes anzudeuten. Nur folgendes kann jetzt schon hervorgehoben werden. Dieser Plan soll nicht etwa die Grundlage für eine organisierte Zentralleitung der Kolonisation abgeben, welche einerseits die Autonomie der einzelnen Organisationen beschränken, andererseits die freie Initiative von Individuen und Genossenschaften unterdrücken würde. Im Gegenteil: unser ganzes Bestreben muss auf die Kräftigung der Initiative," auf die vollste Wahrung der Autonomie gerichtet sein; nur eine Informationszentrale soll geschaffen werden, durch deren Wirksam-