Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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— 198 — sehen, dass die Krisis der Palästinakolonien vorüber ist, dass die wirtschaftliche Lage unseres Ansiedelung^ werkes sich geklärt hat und nun dauernd zu den besten Aussichten berechtigt. Wir sehen es, dass , in demselben Augenblick, wo der politische Zionismus sich von Palästina vorerst abwenden zu müssen glaubte, eine so grosse, so kapitalkräftige und so ausserordentlich vorsichtige Organisation, wie die J. C. A.r welche in Palästina keinen Schritt vorwärts machen wollte, ohne festen Boden unter den Füssen zu spüren, weit entfernt, ihr Palästinawerk zu liquidieren, sich zu einem weiteren Vorgehen in Palästina entschloss; dass in der J. C. A. nie eine günstigere Stimmung für das Palästinawerk herrschte als gerade jetzt. In Wahrheit haben wir also nicht nur keinen Grund zur Verzweiflung, sondern im Gegenteil alle Ursache zu einer hoffnungsfreudigen Wiederaufnahme unserer Arbeit, zur Entfaltung einerneuen, kräftigen Propaganda für das Palästinaprogramm. 5. Ganz unverändert können wir heute unser altes Kolonisationsprogramm freilich nicht aufnehmen. Das Ansiedelungswerk ist in eine neue Phase getreten, unsere Erfahrungen haben sich gemehrt, unser Gesichtskreis hat sich erweitert und demgemäss muss auch unser Programm Erweiterungen und zeitgemässe Umgestaltungen erfahren. Um welche Aenderungen es sich hier handelt, dies empfindet jeder Kenner der Verhältnisse deutlich, und so treten unsere neuen Programmthesen mit einer gewissen selbstverständlichen Klarheit vor uns hin. 1. Unsere erste These, welche den eigentlichen, obersten Zweck der ganzen Palästinabewegung formuliert, bleibt dieselbe. Sie lautet: Die Palästinafreunde streben unentwegt die Neubesiedelung Zions durch das jüdische Volk an. Diese These ist 2000 Jahre alt; an ihr werden wir nichts ändern. Aber indem wir diese These heute einmütig wieder aufstellen, vollziehen wir eine bedeutsame Tat. Die alte Fahne Zions, welche manche, allzu rasch entmutigt, fallen Hessen, wir erheben sie, um sie niemals zu verlassen. 2. Das jüdische Ansiedelungswerk hat sich nicht nur auf das türkische Palästina, sondern auch auf die Nachbarländer Palästinas zu erstrecken. Für diesen Programmpunkt spricht nicht nur das historische Argument, dass unsere Väter ihre Wohnsitze auch um Palästina herum hatten, sondern vor allem die unabweisliche wirtschaftliche Notwendigkeit. Zunächst besteht in Palästina noch das Einwanderungsverbot für die Juden, bestehen gewisse Hemmnisse, die in der türkischen Ver-