Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 197 — aufgegeben wurde: — auch für den Fall, dass England es, aufrecht erhalten sollte —, dass man höchstens eine Scheinexpedition veranstalten wolle. Sollte aber auch tatsächlich dieser ganze afrikanische Riesensturm unnütz heraufbeschworen worden sein, so könnte bald ein anderes exotisches Charter-Projekt das Interesse für Palästina hemmen und langsame, andauernde Kolonisationsarbeit lähmen. Angesichts dessen ist es die Pflicht aller festwurzelnden, unerschütterlich treuen Freunde Palästinas, das Kolönisationswerk mit vermehrter Energie wieder aufzunehmen, es durch Heranziehung aller Elemente des Judentums, die für dasselbe zu gewinnen sind, zu stärken und durch eine Konzenträtion aller für Palästina tätigen Kräfte dieses Werk, das die wahre, die einzige Erlösung des jüdischen Volkes bedeutet, vor ernster Gefährdung zu bewahren. Aber wir haben nicht nur diesen negativen Grund zur Erneuerung der Palästinakolonisation; wir haben hierzu auch positive, höchst erfreuliche Motive. Auf dem Basler Kongress wurde erklärt, dass die Absichten des politischen Zionismus in Palästina sich in absehbarer Zeit nicht durchführen lassen. Diese Erklärung hat ungeheure Bestürzung hervorgerufen. Ich habe herzzerreissenden Szenen beigewohnt. Und doch war für diesen ganzen Jammer gar kein reeller Grund vorhanden. Denn: dass die diplomatischen Unterhandlungen in diesem Stadium der Sache kein Resultat ergeben haben, das ist doch wahrhaftig noch kein Grund zu solcher Bestürzung. Das haben sehr viele vernünftige Leute ausserhalb und innerhalb des Zionismus vorausgesehen und vorausgesagt. Der politische Zionismus zieht aus diesem Misserfolg den Schluss, dass man sich von Palästina abwenden und anderwärts einen Charter suchen müsse. Wir aber ziehen aus derselben Tatsache einen anderen Schluss, der uns viel logischer erscheint, nämlich: wenn der Charter sich als Utopie erwiesen hat, so ist das ein Beweis, dass die andere Methode, die der langsamen Kolonisation, die richtige sei, so ist das die stärkste Ermunterung, die das Werk der Palästinafreunde erfahren konnte, und zugleich die beste Aussicht, die sich der rationellen Palästinaarbeit eröffnet. Denn darüber müssen wir uns klar werden: nicht nur das Verbot der Türkei hat unser Werk gelähmt — auch die Charter-Idee hat es eine Zeitlang getan. Heute kann der Zionismus der Kolonisation keine doktrinären Hindernisse mehr in den Weg legen. Aber nicht nur dieser Alb ist den Palästinafreunden vom Herzen gefallen. Auch ein anderes Hemmnis ist beseitigt; wir haben es ge-