Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 194 — IV. Das Kolonisationsprogramm. 1. Aus allen angeführten Rücksichten erscheint eine Kolonisation in .Ostafrika, sowie überhaupt jede landwirtschaftliche Kolonisation ausserhalb des palästinensischen Länderkreises nur als eine verhängnisvolle Ablenkung vom wahren, einzigen und aussichtsreichsten Ziele des jüdischen Ansiedelungswerkes, als eine Kräftezersplitterung. Es war schon ein schwerer Schaden für dieses Werk, dass Baron Hirsch, welcher ursprünglich für Palästina war — das ist eine historische Tatsache —, schliesslich einen anderen Weg gewählt hat als Baron Edmund Rothschild. Wie stark wären wir heute schon in Palästina, wenn auch alle Kolonien des Baron Hirsch dort neben den Rotschildschen angelegt worden wären — während sie jetzt in Argentinien wie ein Tropfen verschwinden. Hätte sich wenigstens der politische Zionismus, welcher so sehr für Konzentration ist, jetzt, da er nun einmal von Palästina absieht, an den argentinischen Kern angeschlossen, wo doch ebenfalls Autonomie genug zu finden ist, so hätten wir eben zwei stets wachsende jüdische Zentren, die einander leider Gottes Konkurrenz machen würden. Wenn er aber ein drittes Zentrum anlegen will, so ist des jüdischen Elends kein Ende, so ist das nicht mehr eine Kräftezersplitterung, sondern eine Kräftevergeudung, die, bei der Beschränktheit des Kraftfonds, nur zum Hinsiechen und Misslingen aller drei Werke führen muss. Dazu also dieser ganze langjährige, mit höchster Erbitterung geführte, patriotische Kampf gegen die J. C. A., welche die Juden nicht im alten Lande unserer Väter ansiedeln wolle, welche sie nach Amerika verschleppe und unsere Kräfte zersplittere, dazu die grosse Campagne gegen die J. C. A. — welche, nebenbei gesagt, in Palästina kolonisiert, während ihre Gegner es nicht taten —, um schliesslich die Juden gleichfalls von Zion abzulenken, sie noch weiter zu verschleppen, sie noch mehr zu zersplittern? Wie immer dem auch sei, wir wollen niemanden daran hindern, nach seiner Ueberzeugung zu wirken. Will man durchaus in Ostafrika kolonisieren — wohl: wir haben zehn Stämme verloren, wir können auch den elften verlieren. Unter allen Umständen muss das ostafrikanische Projekt wenigstens formell geprüft werden — dies gebietet der politische Anstand, da die englische Regierung es nun einmal vorgelegt hat. Aber einer solchen exotischen Massenkolonisation beipflichten, sie unterstützen, indem wir die langsame Kolonisation in Zion aufgeben, das können und dürfen wir Palästinafreunde nun und nimmermehr. Denn