Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 193 — die Unterhandlungen mit England nur als einen verschlagenen Kniff der widerspenstigen Türkei gegenüber hinzustellen. Wäre es tatsächlich so, so hätte man besser daran getan, es nicht zu sagen. Denn was nützt diese unglaubliche Durchtriebenheit, wenn die Türkei es bereits erfahren hat, was man mit den diplomatischen Scheinunterhandlungenbezweckt? Hätte man tatsächlich bloss die Absicht gehabt, aus taktischen Gründen, der Türkei, Russland und England gegenüber, einen Scheinbeschluss herbeizuführen, so hätte man dem Kongress einen Wink gegeben, und die Prüfung des ostafrikanischen Projektes wäre einstimmig angenommen worden. In diesem Falle hätte man es aber auch nicht nötig gehabt, eine Expedition nach Ostafrika zu entsenden. Die Einsetzung einer Kommission hätte den Rücksichten der Höflichkeit und der Diplomatie vollständig genüge getan. Die ganze Konstruktion der Nachtasyl-Theorie wäre dann völlig entbehrlich gewesen. Nein, man wollte in Wirklichkeit nach Ostafrika gehen, und kein nachfolgendes Dementi, keine Selbstdesavouierung kann von den Zeugen dieses politischen Dramas ernstlich akzeptiert werden. * * * Die letzten Nachrichten lassen das ostafrikanische Projekt noch haltloser erscheinen, als es in der ursprünglichen Fassung war. In dem Augenblicke, wo der Zionismus den Vorschlag ernst zu nehmen begann, machte auch die englische Regierung in ihrer Weise ernst. Sie erklärte nämlich, dass sie den Juden nur ein Gebiet zuweisen könne, welches 300 km von der Bahnlinie entfernt ist und notorisch von Fiebern heimgesucht wird. Auch in anderem Sinne hat das Projekt eine starke Reduktion erfahren. Man hat es bereits eingesehen, dass man an eine Ansiedelung von Millionen nicht denken könne. Lord Rotschild, welcher für ' das. Projekt Interesse bezeugt haben soll, erklärte, dass er es keineswegs für. einen Weg zur Lösung der jüdischen Frage halte* und dass seiner Ansicht nach höchstens 15—20 000 jüdische Seelen in Ostafrika angesiedelt werden könnten. Und bei einer ähnlichen Zusammenschrumpfung der Ziffern soll das zionistische Aktionskomitee angelangt sein. Angesichts dessen aber fällt die leitende Idee,' die eines provisorischen Staates in sich zusammen, und das ganze östr afrikanische Projekt würde nichts als ein ebenso nutzloses wie .gefährliches Experiment aut dem Gebiete der vom Zionismus mit Recht bekämpften - Zersplitterungskolonisation sein. 6