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Palästina · 1903-01-01 · Heft 3-6 · p. Seite 192

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Journal
Palästina
Volume
2 (1903-1904)
Issue
Heft 3-6
Article
Das jüdische Kolonisations-Programm
Date
1903-01-01
Page
Seite 192 (sequence 22)
Language
German
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— 192 — Politik ist keine Gefühlssache, sie muss eine rationelle wirtschaftliche Grundlage haben — so verkünden die Anhänger des ostafrikanischen Projektes: dann aber können sie unmöglich für das wirtschaftliche Unding eines provisorischen Staates sein. 9. Nun — wird man uns antworten — dann geben wir die afrikanische Heimstätte eben nicht auf; wir belassen die ältere Generation auf ihren Besitzungen und nur die jüngere, national erzogene, wirtschaftlich geschulte geht nach Palästina, wobei uns England behilflich sein wird. Der geographische Weg nach Palästina :— so hören wir — ist nicht der kürzeste; es gibt auch einen politischen. Auch diesfe Behauptungen erscheinen mir wenig stichhaltig. Ob England, nachdem es uns bereits ein Territorium abgetreten hat, geneigt sein wird, uns noch Palästina zuzuschanzen, ob die anderen Mächte es tun werden, wenn wir bereits gewissermassen versorgt und nicht mehr die natürlichen Prätendenten von Palästina sind, ist mehr als fraglich. Und dass Palästina, wenn wir unsere Kolonisationstätigkeit nach Afrika verlegen, sich in den nächsten Jahrzehnten mit anderen europäischen Elementen füllen wird, so dass wir dann äort nichts mehr zu suchen haben werden, kann wohl als sicher hingestellt werden. Wie aber werden sich inzwischen unsere afrikanischen Ansiedler entwickelt haben? Werden sie tatsächlich, national und politisch, den idealen, reinen jüdischen Typus repräsentieren? Betrachten wir uns doch das Beispiel anderer grosser Ansiedelungen, und wir werden sehen, wie das Klima, der Erdstrich, die wirtschaftlichen Verhältnisse europäische Kolonisten zu einem neuen, andersgearteten Volke umbilden. Repräsentieren etwa die Buren den reinen holländischen Typus? Und was ist aus den englischen Ansiedlern in Amerika geworden? Ein Volk, das jeden Tag den Engländern den Krieg erklären kann, obwohl es Blut und Sprache mit ihnen gemein hat. Ganz ebenso würden die jüdischen Ansiedler, sobald sie aus der konservierenden Atmosphäre des europäischen Ghettos heraus sind und unter die afrikanische Sonne kommen, zu einem neuen Stamm, zu jüdischen Ostafrikanern, zu einer Abart der jüdischen Rasse werden. Und ebensowenig wie politisch und national, kann es wirtschaftlich ein provisorisches Zion geben. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in Ostafrika sind von denen in Palästina gänzlich verschieden und unsere afrikanischen Pflanzer müssten erst gründlich umtrainiert werden, um tüchtige Kleinbauern in Palästina werden zu können. Noch eine andere politische Deutung des ostafrikanischen Projektes muss hier widerlegt werden. Man-hat es mehrfach versucht,

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