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Palästina · 1903-01-01 · Heft 3-6 · p. Seite 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
2 (1903-1904)
Issue
Heft 3-6
Article
Das jüdische Kolonisations-Programm
Date
1903-01-01
Page
Seite 189 (sequence 19)
Language
German
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— 189 — reüssieren könnten, welche nötigenfalls aus anderen Gegenden Afrikas schwarze Arbeiter en masse beziehen würden. Welche Eignung aber hat dieses Ansiedelungsgebiet speziell für die Juden? Wir wollen die kleinen jüdischen Händler und Spekulanten in selbstarbeitende Bauern verwandeln. In Ostafrika müssten sie Handelskompagnien bilden und ähnlich wie die Buren auf den Pflanzungen die Schwarzen mit der Peitsche zur Arbeit antreiben. Der richtige Negerstaat. Ist dies das Bild eines regenerierten Volkes? Aber es ist nicht anzunehmen, dass dieses wirtschaftliche Gebiet je entstehen könnte, dass die Juden in diesem exotischen Lande je Wurzel schlagen würden. Was den aus härtestem Zeug geformten Kolonialvölkern der Gegenwart, den Engländern und den Deutschen in ihren ostafrikanischen Besitzungen misslungen ist, sollte den russischen und rumänischen Judenproletariern gelingen? „Um dort etwas zu erreichen — sagen die Kenner Ostafrikas — dazu sind eiserne Menschen nötig." Jawohl, man kann von jüdischen Ansiedlern eine grosse koloniale Leistung erwarten, aber nur dann, wenn die ungeheuere Macht einer historisch-nationalen Idee sie begeistert und elektrisiert, wie in Palästina. Dieses fremde, wilde Land wird nie eine genügende Anziehungskraft auf sie ausüben. Sie würden sich, allen bisherigen Erfahrungen gemäss, bei den ersten Schwierigkeiten nach den Gegenden zerstreuen, wo sie sich an eine bereits bestehende Kultur anlehnen können, nach den Städten von Transvaal und Aegypten. Oder sollen wir etwa glauben, dass die abstrakte Idee einer jüdischen Autonomie sie hinlänglich anfeuern würde, um diesen dornenvollen Kampf mit der Wildnis aufzunehmen? 7. Ich für mein. Teil glaube es nicht. Ich habe die feste Ueberzeugung, dass dieser Traum, der den Mitgliedern eines Kongresses in einer wohleingerichteten europäischen Stadt so schmeichelte und so reizvoll vorkam, nach einer Reihe misslungener wirtschaftlicher Versuche unter dem Aequator seine Anziehungskraft völlig verlieren würde. Und ich glaube noch etwas anderes, nämlich, dass auch die ganze politische Konstruktion, die jüdische Autonomie unter englischer Herrschaft, nichts als eine Fata morgana ist, wie sie oft in den Wüsten Afrikas erscheint. Der verhängnisvollsten Täuschung aber gibt man sich hin, wenri man erwartet, dass die Juden zwei nationale Heimstätten nebeneinander oder nacheinander begründen könnten, dass ein jüdisches Gemeinwesen in Ostafrika die Entstehung eines zweiten in Palästina nicht hindern oder nur eine Etappe auf dem Wege nach Palästina sein würde.

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