Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 187 — Auch bildet das gänzlich unzuverlässige, launenhafte Klima ein erhebliches Hindernis für den Ackerbau. Hierzu tritt noch die enorme Kostspieligkeit der unerlässlichen Waldrodungen. Nach den Erfahrungen von Kaiser kostet die Rodung von 30 ha 20 000 M. Bei derartiger Kapitaleinlage ist man wirtschaftlich gezwungen, den Boden mit Gewächsen zu bepflanzen, welche einen höheren Nutzen abwerfen als Kartoffeln. So wirken alle Verhältnisse zusammen, um nur die Plantagenwirtschaft, den Anbau gewisser exportfähiger Pflanzen, besonders des Kaffees, durchführbar erscheinen zu lassen. Tatsächlich sind bis jetzt nur mit Kaffeepflanzungen, und zwar nicht auf dem Hochplateau selbst, sondern auf den Abhängen desselben, Versuche gemacht worden. Brotfrüchte hat man, nach dem Eingeständnis des Gouverneurs Eliot, bis jetzt, seit 20 Jahren, auf dem Hochplateau nie kultiviert. Eine zweite Tatsache, die mehr besagt als Bände, berichtet der Resident von Mombassa, Mr. Young. Englische Kolonisten aus Australien und Südafrika, welche Fachmänner in der Meierei waren, haben vor kurzem das Land besichtigt. Trotz gewisser Vorzüge desselben sahen sie sich gezwungen, andere Kolonisationsgebiete aufzusuchen, obwohl man ihnen den Boden unentgeltlich anbot. Die grosse Zahl der roten (Latent-) Streifen und die Bodengesetze — nach denen die wirklich brauchbaren Landstrecken den Eingeborenen nicht genommen werden dürfen — Hessen ihnen das Land zur Viehzucht ungeeignet erscheinen. 5. Doch gehen wir in der Untersuchung weiter. Wenn ein Land auf die Produktion von wenigen Spezialartikeln angewiesen ist, so spielen die Verkehrsverhältnisse, die Nähe eines Absatz- und Abzugsmarktes eine entscheidende Rolle. In dieser Hinsicht aber ist die Lage dieses Gebietes eine höchst nachteilige. Es ist über 300 Meilen von der Küste entfernt. Dass die Britisch-Ostafrika-Compagnie unter solchen Umständen vor der Errichtung der Ugandabahn bankrottieren musste, kann niemanden Wunder nehmen. Aber auch als die Regierung, hauptsächlich aus strategischen Gründen, um eine Verbindung nach den. Nilquellen zu haben, das Opfer brachte, diese Bahn zu bauen, blieb der wirtschaftliche Erfolg aus. Und auch das ist erklärlich. Trotz der niedrigen Tarife sind die Transportkosten viel zu gross, so dass die Exportartikel die Konkurrenz auf dem Weltmarkte nicht bestehen können. Andererseits sind die unerlässlichen Bedarfsartikel, die man aus dem Ausland beziehen muss, ebenfalls drückend teuer.