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Palästina · 1903-01-01 · Heft 3-6 · p. Seite 186

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
2 (1903-1904)
Issue
Heft 3-6
Article
Das jüdische Kolonisations-Programm
Date
1903-01-01
Page
Seite 186 (sequence 16)
Language
German
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— 186 — Die informativsten Nachrichten über die Beschaffenheit des Bodens, der Vegetation und des Klimas von Britisch-Ostafrika verdanke ich Herrn Alfred Kaiser, dem Mitarbeiter Dr. Max Schöllers, welcher 18 Jahre in Afrika gelebt und das uns interessierende Gebiet viel eingehender studiert hat als Johnston. Nach den Mitteilungen dieses Forschers ist das Hochplateau von, Ostafrika aus ganz natürlichen Ursachen bis jetzt unkultiviert geblieben. Die Eingeborenen treiben "Wanderbau. Sie siedeln sich sukzessive auf allen Terrains an, welche Nutzgewächse tragen können. Auch die englischen Ansiedler suchen sich selbstverständlich die ergiebigsten Gebiete aus. Wenn die einen und die anderen das vielgerühmte Hochplateau bis jetzt nicht bebauten-, sondern vielfach niedrigere, heissere Landstriche vorzogen, so geschah es einfach darum, weil sie sich von der Kultivierung desselben wenig versprachen. Zunächst ist das ostafrikanische Hochplateau ein geologisch stark disloziertes Gebiet, das etwa an die Karstgegend erinnert. Beschränkte Flecken, die eine gewisse Vegetation hervorbringen, sind durch enorme Strecken gänzlich unfruchtbaren Bodens getrennt. Besonders störend wirken die Lateritstreifen, rote Lehmböden, welche das Entstehen eines zusammenhängenden kultivierten Gebietes, ja selbst zusammenhängender grosser Weideflächen unmöglich machen. Die mit Vegetation bedeckten Teile des Plateaus können, insofern sie von der Trockenzeit noch nicht zu viel gelitten, durch den saftigen Ton ihres Grüns bei dem Laien wohl die Ueberzeugung erwecken, dass man hier fruchtbare Landstrecken vor sich habe. Der Botaniker jedoch, und ebenso der praktische tropische Landwirt, sieht auf den ersten. Blick, dass hier für Ackerbau und Viehzucht äusserst wenig zu erwarten ist. Der Waldbestand setzt sich zumeist aus Wachholderbäumen zusammen, deren massenhaftes Auftreten ein sicheres Zeichen ist, dass der Boden keine Nutzgewächse hervorzubringen imstande ist. Auch von den verführerisch üppigen Grasflächen wendet sich der Viehzüchter missmutig ab: denn er erkennt sofort, dass es Sumpfgras sei, welches das Vieh nicht anrührt und welches übrigens beim Eintritt der Trockenzeit sofort verdorrt. Und hier kommen wir zu einem weiteren grossen Missstand des ostafrikanischen Hochplateaus. Mit der in den englischen offiziellen Beschreibungen so gerühmten Bewässerung ist es in Wahrheit sehr schlecht bestellt. Das während der Regenzeit angesammelte Wasser wäre vielleicht genügend; doch saugt der Boden infolge seiner schwammartigen Beschaffenheit die Feuchtigkeit so rapid auf, dass das Land schon in zwei Wochen nach Eintritt der Trockenzeit einen dürren Eindruck macht.

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