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Palästina · 1903-01-01 · Heft 3-6 · p. Seite 184

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
2 (1903-1904)
Issue
Heft 3-6
Article
Das jüdische Kolonisations-Programm
Date
1903-01-01
Page
Seite 184 (sequence 14)
Language
German
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— 184 — 3. Ich will mich, nicht lange bei den äusseren politischen Aussichten des Projektes aufhalten. Die gegenwärtige Konstellation macht es wenig wahrscheinlich, dass es zur Verwirklichung gelangen könnte.*) Es ist bekannt, dass die zunächst beteiligten Faktoren und viele einflussreiche englische Kolonialpolitiker sich gegen dasselbe erklärt haben. Lord Delamere hat aus der Hauptstadt Ugandas im Namen der Eingeborenen und der englischen Ansiedler energisch gegen die Einführung von Juden protestiert. Weitere Protest-Meetings haben hierauf stattgefunden. Ihnen hat sich Lord Hindlip, der jüngst Britisch - Ostafrika durchreiste, angeschlossen. Sir Harry Johnston, der hervorragende publizistische Vorkämpfer der englischen Ostafrika-Kolonisation, und ebenso Mr. W. D. Young, der Resident von Mombassa, weisen das Ansinnen, die Früchte der mit ungeheuren Opfern englischer Steuerzahler durchgeführten Gebietserwerbung, die Vorteile der mit einem Aufwand von hundert Millionen erbauten Ugandabahn den Juden abzutreten, als Wahnwitz zurück. Kurzum, die öffentliche Stimmung Englands ist dagegen. Der Anreger der Idee aber, der einzige, welcher sie hätte unterstützen können, Chamberlain, hat seinen Posten verlassen, weil er vorläufig in einer anderen Angelegenheit der öffentlichen Meinung weichen musste. Es ist ja möglich, dass er wieder zur Macht gelangt; aber auch in diesem Falle wird er wohl das Kolonialgebiet ebenso wie England selbst nicht hindern können, sich gegen die -jüdische Masseneinwanderung zu verschliessen. Jedoch selbst, wenn die politischen Aussichten besser wären, würden die wirtschaftlichen Verhältnisse die tatsächliche und erfolgreiche Durchführung des ostafrikanischen Projektes höchst unwahr- *) In dem Augenblick, wo ich diese Arbeit dem Drucke übergebe, wird die Nachricht verbreitet, dass die englische Regierung ihr Anerbieten zurückgezogen hätte. Ich habe, wie sich aus dem folgenden ergiebt, dieses Anerjbieten in seiner ursprünglichen Gestalt nie errfst genommen und das Aufgeben des afrikanischen Planes nur für eine Frage der Zeit gehalten. Wenn ich ihn hier trotzdem eingehender behandle, so geschieht es darum, weil an ihm das Problem der exotischen Territorialprojekte überhaupt besonders gut studiert werden kann; ferner darum, damit volle Klarheit darüber geschafft werde, welchen Wert das Ugandaprojekt hatte. Im Uebrigen berichtet das gewiss gut informierte Londoner Wochenblatt „Jewish Chronicle", dass im englischen Auswärtigen Amt von einem Zurückziehen des Projektes nichts bekannt sei. Sir Clement Hill erklärte, dass der Stand der Angelegenheit sich im Prinzip nicht geändert habe und dass die englische Regierung die Antwort der Zionisten erwarte. Das ist wohl auch der Grund, warum „Die Welt" nie von einem Fallen des Uganda-Planes berichtet hat. Somit erscheint die in den russischjüdischen Blättern lancierte Nachricht .als eine zu irgendwelchen Zwecken erfundene und das Ostafrika-Projekt steht noch immer auf der Tagesordnung.

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