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Palästina · 1903-01-01 · Heft 3-6 · p. Seite 183

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Journal
Palästina
Volume
2 (1903-1904)
Issue
Heft 3-6
Article
Das jüdische Kolonisations-Programm
Date
1903-01-01
Page
Seite 183 (sequence 13)
Language
German
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— 183 — getriebenen Söhne Ahasvers haben lange genug viele Vaterländer gehabt — wir wollen endlich ein Vaterland—ein Vaterland haben. Und sollen wir etwa Palästina opfern, weil wir, die wir Jahrtausende gewartet, zwanzig bis dreissig Jahre nicht mehr warten wollen,*) oder gar, weil Ostafrika bessere wirtschaftliche Aussichten bietet? Wie ein Bräutigam, der seine Angelobte verlässt, weil er eine Andere mit grösserer Mitgift gefunden hat? *J Das ablehnende Verhalten der Gegner des Ostafrikaprojektes wurde jüngst von einem offiziellen Führer des Zionismus dadurch erklärt, dass die opponierenden Delegierten zum grössten Teile den begüterten Klassen angehören, die unter den Verfolgungen und dem Hass der Bevölkerung nicht so sehr zu leiden haben und daher die Notwendigkeit, ehestens aus ihrer Lage erlöst zu werden, nicht mit so zwingender Härte empfinden. Gegen diese Auffassung habe ich in meinem Aufsatz „Die Unfähigen" energisch Protest erhoben und dabei folgendes ausgeführt: „Die unerschütterliche Zionstreue, die Abneigung gegen alle anderen territorialen Projekte liegt bei den russischen Delegierten und bei allen anderen „Neinsagern" nicht in ihren vollen Taschen; sie wurzelt viel tiefer, im warmen Instinkt ihres Herzens und im kühl erwägenden Verstand. Sie wollen von Zion nicht lassen, weil sie die feste Ueberzeugung haben, dass die Verwirklichung des historischen Ideals zugleich die einzige wahre Lösung der jüdischen Frage sei; während alle anderen Kolonisationsversuche sich als wirkungslose, nichtige Kräftevergeudungen herausstellen müssen. Wer die Ablehnung Ostafrikas durch mangelndes Mitgefühl, durch ungenügendes Interesse für die praktische Behebung der Judennot erklären will, der muss zunächst beweisen, dass die Ansiedelung in Uganda den jüdischen Massen tatsächlich ein besseres Schicksal verbürgt. Das aber hat noch niemand dargetan und wird niemand dartun können. Ob er in Kischinew erschlagen oder in Uganda von Elend und Fieber hingerafft, von den Massais zu Tode gemartert oder von Löwen fortgeschleppt wird — in welcher Sauce er verspeist wird, das ist dem jüdischen Proletarier egal. Nein! Die Neinsager sind nicht die satten Bourgeois, für die die Judenfrage nur ein idealer Sport ist. Auch sie sind nicht blind für die Notwendigkeit einer Rettungsaktion, aber sie wollen dieselbe nach dem palästinensischen Länderkreis hinlenken. Sie streben das wahre Wohl und das wahre Ziel des jüdischen Volkes, an und sie werden dabei von jener eigentümlichen stählernen Kraft getrieben, die das Judentum Jahrtausende hindurch erhalten und geführt hat. In der Geschichte «unseres Volkes finden wir manches grosse und wunderbare Ereignis, ebenso gross und wunderbar, wie es die Wiedergewinnung Palästinas sein wird, welches der Sultan uns vorläufig verweigert. Wodurch aber wurden jene Ereignisse herbeigeführt? Nur durch das zähe Festhalten an. der Idee, welches alle materiellen Schwierigkeiten überwindet. Hätte sich das jüdische Volk, gleich änderen Völkern, auf seine materiellen Mittel verlassen, mit den materiellen Anstrengungen gegen die feindliche Welt angekämpft, es wäre von ihr längst völlig zertrümmert worden. Denn auf dem Gebiete der Macht siegt stets der Stärkere. Doch das Judentum verfügt über eine, andere Kraft. Eine gewisse verhaltene, aber unauslöschliche, heilige Glut, ein himmelanstreb ender Schwung, der aber in der Gestalt jahrhundertelanger, täglicher, zäher Arbeit und unendlicher Leidensfähigkeit auftritt, machen sein tiefstes Wesen aus und sichern ihm den Sieg.--An Abspringern und Opportunisten hat es im Judentum nie gefehlt: aber der Hauptstrom des Volkes geht unbeirrt seinen Weg.

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