Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 181 - Wege der langsamen Ueberleitung ein so unendlich schwieriges Werk, kann das Wunder zustande gebracht werden, dass ein Volk, welches durch Jahrtausende vom Boden losgerissen war, wieder Ackerbau treiben lernt. III. Ostafrika und die politische Massenkolonisation. 1. Nun aber stellen wir die Frage: Worauf gründen die Anhänger einer sofortigen Massenkolonisation mit autonomer Grundlage ihre Zuversicht, dass diese Methode zu guten Ergebnissen führen würde, wie können sie es wahrscheinlich machen, dass ein jüdisches Staatswesen in Ostafrika gedeihen könnte? Jede neue Ansiedelung in einem unbekannten und noch dazu in einem subtropischen Gebiete ist ein wirtschaftlich und hygienisch riskanter Versuch. Durch alle Blätter geht die Nachricht, dass in Uganda ein Uebel mit tödlichem Ausgang, die sog. Schlafkrankheit, endemisch sei, die jährlich viele Tausende von Eingeborenen dahinraffe. Im letzten Sommer sollen 50 000 Schwarze daran gestorben sein. Zum. Glück waren es noch nicht jüdische Neger. . . Beginnt man in kleinerem Massstabe, so fallen zum mindesten wenig Opfer. Wirft man aber — das bemerkt auch Oppenheimer mit vollem Recht — Millionen von Stadtproletariern in ein landwirtschaftliches Gebiet hinüber, so muss das ein Chaos ergeben, das nur mit beispielloser Not enden kann, und das die Ueberzähligen durch Hunger, Typhus und Cholera aus dem Wege räumen muss. Die moralische Befriedigung, dass man über politische Rechte verfüge, dass man sich einer gewissen nationalen Autonomie erfreue, kann unter solchen Umständen wenig helfen. Uns erscheint dieses ganze System, das mit der Autonomie beginnt, bevor ein Staat existiert, das aller historischen Erfahrung direkt zuwiderläuft und die natürliche Entwicklung sozialer Gebilde auf den Kopf stellen will, höchst bedenklich. Ein um die Palästinakolonisation hochverdienter Mann hat .es einst damit verglichen, wie wenn ein Architekt beim Bau eines Hauses nicht mit dem Fundament, sondern mit dem Dache beginnen wollte. In der Geschichte war zuerst immer ein Volk da, das von einem bestimmten Gebiet Besitz ergriff, dann erst entstand ein Staat. Aber zuerst auf dem Wege der diplomatischen Uebereinkunft die leere Form eines Staates gründen, hierauf erst das Land erwerben und mit einem Schlage ein Volk darauf ansiedeln — dass eine solche Schöpfung gelingen sollte, das kann weder durch historische, noch durch volkswirtschaftliche Argumente bewiesen werden, sondern höchstens durch