Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 179 — überdachte und zielbewusste treten, und mit den wirtschaftlichen Bemühungen muss sich ein unablässiges Streben nach Besserung der rechtlichen und politischen Stellung der Kolonisten verbinden. 6. Ein solches Vorgehen empfiehlt die ganze bisherige kolonialpolitische Erfahrung. Alle gesunden, zu wirklicher Blüte gelangten staatlichen Neubildungen der letzten Zeiten sind auf dem Wege der spontanen Einwanderung, der allmählichen wirtschaftlichen Okkupation des Landes und der schliesslichen politischen Konsolidierung entstanden. Dasselbe System empfiehlt die volkswirtschaftliche Theorie. Die von mir entwickelten Ideen erfuhren auf dem letzten Zionistenkongress die kräftigste Unterstützung von einer Seite, von der es die Gegner der langsamen Kolonisation am wenigsten erwartet haben, nämlich von einem Nationalökonomen, den die Vertreter des offiziellen Zionismus mit Recht zu den ihrigen zählten. Herr Dr. Franz Oppenheimer hat da ein sehr gediegenes Referat über Ansiedelung gehalten. Man hat leider seinen Inhalt zu wenig beachtet, weil man der Ansicht war, dass es rein kolonialtechnische Fragen behandle, und gar nicht merkte, wie innig diese Momente mit dem Kernpunkt des politischen Problems zusammenhängen. Der Inhalt dieses Referates muss hier ins rechte Licht gerückt werden. Dr. Oppenheimer hat sich .zweifellos alle Mühe gegeben, der zionistischen Leitung entgegenzukommen, aber seine wissenschaftliche Ueberzeugung hat er dennoch nicht aufopfern können. Und diese Ueberzeugung stimmt vollständig mit der meinigen überein, so sehr, dass er — selbstverständlich ohne dass zwischen uns irgend eine vorangehende Verständigung stattgefunden hätte — selbst in den Details des Kolonisationsplanes ein identisches Vorgehen empfiehlt Er illustriert diesen Plan durch ein sehr glückliches Bild. Das Netz von Ansiedelungen sollte seiner Ansicht nach in ähnlicher Weise über das Land geworfen werden, wie man ein wirkliches Netz spannt. Es werden zunächst an den Endpunkten Haken eingeschlagen, diese Haken durch starke Stricke verbunden, dann zwischen den Stricken Fäden geknüpft, bis ein immer feineres und dichteres Maschenwerk entsteht. Von jeder Kolonie aus muss man, als von einem Zentrum von Menschen, Tatkraft und Intelligenz, nach Massgabe der verfügbaren Mittel neue Siedelungen anlegen. Und damit kein Zweifel darüber übrig bleibe, dass Dr. Oppenheimer das System der Improvisierung einer Massßnkolonisation und eines Kulturstaates als Mann der Wissenschaft ablehnen müsse, fügt er am Schluss hinzu: dann erst, d. h. wenn die systematische Kleinkolonisation ihr Werk entsprechend ge- 5*