Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 178 — Die zweite Maxime: Wo für eine erwünschte territoriale Erwerbung die Waffengewalt nicht in Betracht kommt, dort gelangt man durch planmässiges wirtschaftliches Vordringen, auf dem Wege von Verträgen und friedlichen Acquisitionen ans Ziel. Selbst die grössten Reiche verdanken einen erheblichen Teil ihrer Ausbreitung nicht ihrer Armee, sondern einem solchen planmässigen, friedlichen Vorgehen. Ich habe auf dem Kongresse auf England als ein besonders frappantes Beispiel hingewiesen. England zeigt uns, allerdings in gigantischem Massstabe, wie man zähe, konstante, zielbewusste Politik treibt, wie man Kleinkolonisation in politischem Sinne führt; und es zeigt uns auch auf vielen Punkten seines politischen Schachbretts, wie man ohne Waffen Territorien gewinnt. Es wird immer klarer, dass England darauf losgeht, auf dem schwarzen Kontinent ein englisch-afrikanisches Imperium zu errichten. Wie geht es nun vor? In unauffälliger Weise setzte es sich auf den entlegensten Punkten Afrikas fest. Manchmal gelang dies nicht ohne blutige Kämpfe, oft aber genügten diplomatische Verhandlungen oder Kaufkontrakte. So ist z. B. gerade das ostafrikanische Gebiet durch Erwerbungen von Dr. Thomson und die Verträge der Britisch-Ostafrika-Compagnie für England gesichert worden. Wir sehen, wie England dann zunächst die näheren, hierauf ganz entlegene Ansiedelungen durch Eisenbahnen verbindet und so kolossale Gebiete zu beherrschen beginnt; wir werden es schliesslich auch sehen, dass es seine Eisenbahnlinien durch ganz Afrika führen und fast den ganzen Erdteil besitzen wird. Man hat mich auf dem Kongress missverstanden oder vielleicht missverstehen wollen, um mich leichter zu widerlegen. Man hielt mir entgegen, dass ich den Juden das System der Kanonen empfehle. Nichts konnte mir ferner liegen. Wir sind keine Grossmacht und keine Eroberer. Wir müssen und wollen ausschliesslich friedliche Mittel benutzen. Um so mehr aber empfiehlt sich für uns im Rahmen unserer bescheidenen territorialen Bestrebungen ein ähnliches langsames Vordringen auf rein wirtschaftlichem Wege. An den verschiedensten Punkten Palästinas und des umgebenden Länderkreises müssen "zunächst in zäher Arbeit jüdische Kolonien angelegt werden, kleinere und grössere jüdische Bevölkerungszentren entstehen. Neue Ansiedelungen und Verkehrswege müssen dann diese Zentren immer enger verbinden und immer näher aneinanderrücken lassen. Allerdings dürfen wir, wenn wir einst wirklich das letzte Ziel erreichen wollen, das Atisiedelungswerk nicht mehr im alten Sinne führen, sondern unsere Tätigkeit entsprechend vervollkommnen. An die Stelle der früheren kleinlichen und planlosen Kolonisation muss, wie ich im folgenden näher ausführen werde, eine systematische, wohl-