Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Einiges über Bienenzucht
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 148 — Bienen gehören unter den Insekten zu derjenigen Art der sogenannten Hautflügler, die in grossen Vereinigungen oder Schwärmen leben. Nicht etwa zufällig oder gelegentlich, wie manche anderen Tiere, als Mücken, Heuschrecken und viele Arten von Vögeln, sammeln sie sich, es ist dies Vielmehr eine Lebensbedingung. Vereinzelt könnten sie gar nicht bestehen, sich nicht fortpflanzen, denn die verschiedenen Glieder einer solchen Gesellschaft, die man A^olk, Schwärm nennt, haben in der gemeinschaftlichen Wohnung, die man mit. Bienenstock bezeichnet, ihre besondere Bestimmung, ihre besonderen Verrichtungen. Die Bienen sind, wie alle Insekten, kaltblütige Tiere, sie bedürfen zu ihrem Leben und Gedeihen einer "Wärme, die nach der Jahreszeit verschieden ist, etwa 10—30° R. Bei einer niederen Temperatur erstarren sie immer mehr, verlieren den Gebrauch ihrer Glieder und erfrieren beim Gefrierpunkt ganz. Sie würden daher in unserem Klima und den anderen Ländern der gemässigten Zone, wo die Temperatur häufig unter den Gefrierpunkt herabsinkt,, gar nicht bestehen können, wenn sie nicht die Fähigkeit besässen, in ihrem Stocke jene höheren Grade von Wärme hervorzubringen und beständig zu unterhalten. Dies ist ihnen aber nur möglich durch die Vereinigung zu einem grösseren Schwarme. Sie bewirken es einerseits chemisch durch Atmen, das eine Verbindung des Sauerstoffs der atmosphärischen Luft mit dem Kohlenstoff im tierischen Blute gleichsam ein langsamer Verbrennungsprozess ist, andererseits mechanisch durch ein gewisses Zittern der Flügel und andere Körperbewegungen. Durch die dadurch bewirkte gegenseitige Reibung vermögen sie auch bei grösserer, äusserer Kälte den notwendigen, zu ihrer Eihaltung erforderlichen Wärmegrad hervorzubringen, durch Anschluss zu einem geschlossenen, abgerundeten Haufen auch zu erhalten. Die in den Zellen eingeschlossene Luft, ihre Körperhaare sowie die Wohnung leisten ihnen ausserdem den Dienst, dass die erzeugte Wärme nicht so schnell entflieht. Sobald die Temperatur einen gewissen niederen Standpunkt im Herbste erreicht hat, ziehen sich die Bienen in einer der Wabengassen des Baues zu einem Haufen zusammen und überwintern in Form einer Traube, bis die höher steigende Sonne sie zu neuem Leben erweckt. Die Fortpflanzung ist den Bienen ebenfalls nur in Vereinigung als Schwärm möglich. Nicht allein weil sie nur so die nötige Brutwärme zu unterhalten vermögen, sondern auch weil die verschiedenen Bienen eines Stockes bezüglich der Fortpflanzung verschiedene Bestimmung und verschiedene Funktionen zu verrichten haben, die zum Fortbestande des Ganzen unerlässlich notwendig sind Ueber die verschiedene Bestimmung, die geschlechtlichen Verhältnisse der verschiedenen Glieder im Bienenstocke haben lange Zeit die verschiedensten Ansichten vorgeherrscht. Erst durch den eiogangs erwähnten genialen Pfarrer Dr. Dzierzon ist durch unermüdliche Forschung in Theorie und Praxis Klarheit geschaffen worden. Seine geniale Erfindung des mobilen Wabenbaues hat hierzu nicht wenig beigetragen. Erst dadurch, dass man hierdurch imstande ist, dem ganzen Bau des Stockes die einzelnen Waben zu entnehmen und. wieder zusammenzustellen, ist eine rationelle Bienenzucht möglich geworden.-