Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1903-01-01 · Heft 3-6 · p. Seite 144

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
2 (1903-1904)
Issue
Heft 3-6
Article
Ein Krieg gegen Heuschrecken
Date
1903-01-01
Page
Seite 144 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379793-2379796-2380878--00636-2380970
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 144 — Bei den ungeheuren Schwärmen, in denen die Heuschrecken oft auttreten, kommt es häufig genug vor, dass ein solcher Zaun nicht ausreicht, da sich die Masse der Tiere so hoch staut, dass sie, ohne zu klettern, über das Wachstuch hinüberkommen, ebenso wie wenn Wasser über die Ufer tritt. In solchen Fällen ist es vorgekommen, dass bis zu fünf solcher Streifen hintereinander aufgespannt werden mussten. Man muss sich vergegenwärtigen, dass solche Schwärme oit meilenlang sind und dabei so stark, dass ein Reiter bis an die Kniee seines Pferdes darin versinken kann. Ein Beobachter hat einen solchen Schwärm 8 volle Stunden lang bei ziemlicher Geschwindigkeit an seinem Hause vorüberziehen sehen. Der erste Versuch mit Matteis Verfahren wurde schon im Jahre 1862 gemacht; und wenn auch der damalige Pascha nur wenig Leinwandstreifen machen Hess, so hatte er doch eine unbegrenzte Anzahl von Hilfskräften zur Verfügung; und nach einigen Jahren energischer Arbeiten waren die Heuschrecken so vollständig ausgerottet, dass im Jahre 1870 ein ziemlich hoher Preis von der Regierung ausgesetzt werden konnte für ein kleines Mass voll Heuschrecken. Aber nicht lange hierauf verliess Said Pascha Cypern, und sein Nachfolger vernachlässigte die Sache, so dass die Engländer im Jahre 1878 wieder einen ziemlich schlimmen Zustand vorfanden. Man begann daher den Feldzug sofort von neuem, und ausser dem Fang der Insekten auf die beschriebene Weise wurden auch auf den Brutstätten die Eier und Kokons gesammelt, und zwar in diesem Jahre (1879) 3772 Tonnen. Trotzdem erschienen sie im nächsten Jahre in stärkeren Schwärmen, mehr Leinwandstreifen wurden vorbereitet und 236 Tonnen Eier gesammelt und vernichtet. Die Stärke des Feindes war aber noch keineswegs gebrochen, und das nächste Jahr brachte eine Vergrösserung der Plage. 1330 Tonnen Eier wurden mit einem Kostenaufwand von 74 Million Mark gesammelt. Für das nächste Jahr wurde dann die Anzahl der Leinwandstreifen auf 6030 Stück gebracht, und von dieser Zeit an fing die Ausbreitung der Landplage an nachzulassen. Im Jahre 1883 wurde die Anzahl der Leinwandstreifen auf 8123 und im nächsten Jahre auf 11 083 gebracht. Was das sagen will, erhellt daraus, dass die Streifen, aneinander gereiht, 315 englische Meilen Länge repräsentieren.. Die dazu gehörigen Gruben beliefen sich auf 13 000. Eine vollständige Ausrottung der Heuschrecken in einem einzigen Jahre ist nicht möglich, nachdem die Sache solche Dimensionen angenommen hat, aber die Schwärme wurden von 1883 ab immer kleiner und seltener, bis sie keinen Schaden mehr taten. Die Kosten des Feldzuges waren ca. 1 400 000 M. und verteilen sich auf die einzelnen Jahre wie folgt: bis Juni 1881 im Jahre 1882 „ , 1883 32 575 „ 12 511 „ 12 829 „ 3 387 „ 2 855 „ 5 739 Engl. Pfund „ „ 1884 „ „ 1885 bis 1887

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.