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Palästina · 1903-01-01 · Heft 3-6 · p. Seite 143

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
2 (1903-1904)
Issue
Heft 3-6
Article
Ein Krieg gegen Heuschrecken
Date
1903-01-01
Page
Seite 143 (sequence 1)
Language
German
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— 143 — EIN KRIEG GEGEN HEUSCHRECKEN. Die Kriege, die gegen solch kleine Feinde, oder selbst gegen noch kleinere, wie z. B. die Reblaus, geführt werden, sind nicht selten in ihren Folgen wichtiger als mancher blutige Kampf, den die Nationen miteinander ausfechten, und den die Geschichte der Nachwelt überliefert. Der Schaden, den die Reblaus in den Weinländern und die Heuschrecken in den Ländern am Mittelmeer anzurichten pflegen, übersteigt an Wert oft jede Kriegskontribution, die ein siegreicher Feind dem besiegten Lande auferlegen kann; aber was in unserem Falle die Ausrottung der Schädlinge zu einem richtigen Feldzuge macht, das ist die eigentümliche Strategie, die im folgenden geschildert werden soll. Der Kriegsschauplatz ist die Insel Cypern, auf welcher zur Türkenzeit (die Engländer übernahmen die Insel im Jahre 1878) die Heuschreckenschwärme oft die ganze Ernte vernichteten, so dass das Land fast entvölkert wurde. Niemand wusste ein Mittel gegen die Plage, bis ein italienischer Edelmann, Richard Mattei, durch Zufall auf die richtige Methode kam. Er bemerkte nämlich, dass die Insekten, vor denen nichts sicher war, und für welche es kein Hindernis zu geben schien, von einem vom Tisch herabhängenden Stück Wachsleinwand regelmässig zurückfielen. Hierauf und auf einigen schon früher bekannten Eigentümlichkeiten der Heuschrecken baute er seinen Plan. Es ist speziell beobachtet worden, dass die Schwärme dieser Tiere in einer ganz bestimmten Richtung wandern. So pflegen sie in Cypern von Osten aus, wo ihre Brutstätten sind, gradlinig gegen Westen vorzurücken. Wenn sie ein Hindernis auf ihrem Wege finden, z. B. ein Haus, so machen sie keinen Umweg, sondern klettern senkrecht am Hause hinauf, über das Dach und auf der anderen Seite wieder hinunter, um ihren Weg fortzusetzen. (Dies gilt natürlich nur für die Zeit, bevor sie Flügel bekommen haben; gegen geflügelte Heuschrecken ist überhaupt nichts mehr zu machen.) Mattei Hess also lange Streifen von Sackleinwand oben mit einem etwa 10 cm breiten Streifen Wachstuch benähen. Jeder dieser Leinwandstreifen ist etwa 50 m lang und fast Im breit. Die Streifen werden an Stöcken so befestigt, dass sie mit dem Wachstuch nach oben eine Art Zaun bilden, der natürlich in wenigen Minuten aufgestellt werden und mit anderen zu einer Länge verbunden werden kann. Mit dieser Vorrichtung wird dem Schwärm der Weg verlegt. Ausserdem werden etwa alle 30—40 m Gruben gegraben, an deren oberem Rande ein Zinkstreifen angebracht wird, über den die Tiere gleichfalls nicht klettern können. Sobald der Schwärm dieses Hindernis erreicht hat, kriechen die Tiere an der Leinwand empor, bis sie von dem Wachstuchstreifen zurückfallen. Schliesslich sammeln sie sich dann in den Gruben, wo es genügt, ein wenig Erde auf sie zu schütten, um sie zu töten.

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