Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Abrahamś Weinberg bei Jerusalem
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 138 - die es sich selbst nicht holen konnten. Wir bauen jetzt noch zwei weitere grosse Cisternen, deren Kosten von Freunden in Halifax und Birmingham aufgebracht wurden. Mr. Dunn schreibt: „Durch vielfache Nachfragen von jüdischer Seite sowohl, wie durch meine Erkundigungen und andere Informationen haben wir festgestellt, dass es für die Juden keinen Ort gibt, wo sie Wasser umsonst bekommen können. Allerdings wuirde mir in dem Tempel- Areal gesagt, dass sich aus den dortigen Cisternen Wasser für sich holen könne, wer da wolle, aber welcher Jude betritt dieses Gebiet? Kein gläubiger Jude wagt es, seinen Fuss dorthin zu setzen, wo das AU erheiligste stand, was kann ihm also jenes Wasser nützen? Nichts. Mit sehr wenigen Ausnahmen hat jeder Jude das Wasser, das er braucht, zu bezahlen. (Den Juden würde es von den Moslems tatsächlich wohl auch nicht gestattet werden, in das Tempel-Heiligtum nach Wasser zu gehen.) Die von der türkischen Obrigkeit im Jahre 1901 reparierte Wasserleitung führt der Stadt nur sehr wenig Wasser zu." Von einem Herrn, der im Jahre 1896 einige Wochen in Jerusalem verbrachte, empfingen wir folgenden Bericht: ,,Ebenso demütigend und belehrend wie die Ruinen des heiligen Landes sind, sind auch die Ruinen des heiligen Volkes. Es ist schwer zu sagen, wie die Juden existieren. Es gibt hier keine Industrie und keinen Handel, wo sie Beschäftigung finden könnten, Im Judenviertel innerhalb der Stadt herrscht die krasseste Armut und seine Insassen haben die Hoffnung aufgegeben, dass es auf natürlichem Wege besser werden könnte. Ich habe alle jüdischen Kolonien ausserhalb der Stadtwälle besucht, es gibt kaum ein schmutziges Gässchen in oder bei Jerusalem, in dem ich nicht gewesen bin. Was mich tief berührt hat, ist die völlige Hoffnungslosigkeit dieser unglücklichen Juden. Es ist eine schmähliche Lüge, zu sagen, sie können und wollen nicht arbeiten. Der Superintendent von Abrahams Weinberg kann Auskunft geben, in welchen Massen man zu ihm kommt mit dem Angstruf: „Um Gottes willen gebt uns Arbeit". Die beim Weinberg Beschäftigten arbeiten gut und schnell. Ich kenne jeden einzelnen persönlich. Viele von ihnen würden Hungers sterben ohne die Beschäftigung, die sie dort gefunden haben. Ein Mann trägt auf seinem Rücken mittels eines Taues, das um die Stirn geschlungen ist, mit einem Male drei Steine aus dem Steinbruch auf das Gerüst, ich war nicht imstande, auch nur einen dieser Steine anzuheben. Wenn der einheimische Bauer noch grössere Lasten tragen kann, so ist ihm