Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Der Baumwollbau in Ägypten
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
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— 130 — ■und es wird berichtet, dass der Vizekönig oft durch die grausamsten Strafen die Fellahin dazu gezwungen habe, sich mit der neuen Kultur zu befassen. Mohammed Alis gewaltige Energie siegte schliesslich, der Baumwollbau gewann nicht nur festen Boden in dem fruchtbaren Nildelta, sondern breitete sich immer mehr aus und, was für den Vize- .könig die Hauptsache war, er brachte zunehmend reiche Gelderträge. Im Jahre 1821 begann die Baumwollausfuhr Aegyptens, und von jenem Zeitpunkte an hat die Ausfuhr, abgesehen von schlechten Erntejahren, im allgemeinen eine fortdauernd steigende Tendenz innegehalten. Die alte Mako-Baumwolle hat sich im Laufe der Zeit sehr ,verändert, und gegenwärtig kann man in Aegypten nicht mehr von einer Sorte dieses Namens reden, obwohl in Europa noch jetzt „Mako- Gewebe", d. h. Baumwollgewebe, welche grossenteils aus ägyptischer Baumwolle hergestellt sein sollen, dem Publikum vielfach angeboten werden. Von den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika wurde bald Sealsland-Saat nach Aegypten eingeführt und mit bestem Erfolge im Delta angebaut. Allein schon nach wenigen Generationen ging der ur-. sprüngliche Charakter der amerikanischen Baumwolle verloren, es fanden von selbst zahlreiche Kreuzungen der Sea-lsland-Varietät mit der einheimischen Pflanze statt; das Ergebnis war ein zwar ungleichmassiger, aber von allen fremden Sorten wesentlich verschiedener Typus der ägyptischen Baumwolle, deren Stapellänge, Feinheit und Spinnfähigkeit bald die Aufmerksamkeit der europäischen Industriellen aut sich zog. In der Folgezeit entstanden, wie dies bei der Variabilität der Baumwollpflanze zu erwarten war, zahlreiche Varietäten, welche jedoch zum grossen Teile in ihrer Konstitution zu wenig gefestigt waren, um langen Bestand zu haben. Zu diesen jetzt kaum noch bekannten Sorten gehörten: Abiad (= Abassi?), Quallini (= Gallini?), Zafiri, Psikha, Hariri. Vielleicht haben übrigens einige dieser Sorten mit der Zeit nur die Namen gewechselt. Häufiger genannt und auch heute noch zum Teil kultiviert werden: Bamiya, Gallini, Hamouki, Succhari, Achmouni, Mitafifi, Abassi, Ivanowich. Die Varietät „Achmouni" (Aschmuni) wurde zuerst in der Umgebung der Stadt Achmoün (Provinz Menoufieh) bemerkt und alsbald in grösserem Umfange kultiviert. Auch die Bildung der anderen Varietäten geschah selbständig, ohne jede künstliche Züchtung. Die Sorte „Mitafifi", welche jetzt weitaus den grössten Teil der ägyptischen Baumwolle liefert, wurde von einem griechischen Kaufmann in Mit Afif, einem in der Provinz Menoufieh, nahe am Ufer des östlichen Nilarmes gelegenen Orte, entdeckt. Der Kaufmann bemerkte an einigen