Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Der Baumwollbau in Ägypten
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 1)
- Language
- German
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— 129 — DER BAUMWOLLBAU IN AEGYPTEN. Bericht des Deutschen Konsulats in Kairo. (Nach den Mitteilungen der Landwirtschaftlichen Gesellschaft. Berlin.) Der bedeutendste Produktionszweig Aegyptens, die Baumwollkultur, bildet gegenwärtig die Grundlage sowohl der Prosperität des Landes, als der Wohlhabenheit der Bevölkerung. Ein schlechtes Baumwolljahr bringt für Millionen von Menschen Verluste und Sorgen, während eine gute Ernte ein rasches Anschwellen des alljährlich im Spätherbst von England nach Aegypten gerichteten Goldstromes herbeiführt. Der Ausfall der Baumwollernte hängt ab von der Höhe des Niles im Sommer und von dem rechtzeitigen Eintritt der Flut, kurz, von der künstlichen Bewässerung der Felder, und diese ist schliesslich ausschlaggebend für die gesamte Menge der Bodenerträge. Aber wenn die Kultur jener hochwertigen Faserpflanze, etwa durch eine bösartige epidemische Krankheit, in ganz Aegypten vernichtet würde, so wäre der Reichtum des Landes für viele Jähre dahin. Schon seit undenklicher Zeit war die Baumwolle und ihre Verwendung in Aegypten bekannt; hat man doch durch mikroskopische Untersuchungen festgestellt, dass bei den Mumien sich Baumwollgewebe befinden. Die Baumwollkultur blieb aber bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts ziemlich beschränkt. Es wurde nur die indische Varietät kultiviert, welche bei ihrer groben, kurzstapeligen Beschaffenheit eine Ausfuhr nicht lohnte. Auf Veranlassung des tatkräftigen, weitblickenden Vizekönigs Mohammed Ali sandte damals Mako Bey von Dongola aus Samen einer weiter südlich angebauten Baumwollvarietät nach Kairo, und diese gedieh beim Anbau im Delta ausgezeichnet. Das Erträgnis der neuen Spielart war später in England unter der Bezeichnung „mako" bekannt, in Frankreich dagegen als „jumel" (nach einem bei der Einführung des Baumwollbaues in Unterägypten tätigen Franzosen benannt). In den ersten Jahren hatte Mohammed Ali, welcher persönlich von lebhaftem Interesse an der Ausbreitung einer rationellen, ausfuhrfähigen Baumwollkultur erfüllt war, mit den grossten Schwierigkeiten in der Verfolgung dieses Zieles zu kämpfen. Die Fellahin setzten in ihrem, unabänderlich konservativen Sinne der Einführung einer derartig einschneidenden Neuerung einen zähen passiven Widerstand entgegen, 2