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Palästina · 1903-01-01 · Heft 3-6 · p. Seite 126

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
2 (1903-1904)
Issue
Heft 3-6
Article
So lange es Zeit ist
Date
1903-01-01
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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- 126 — keit bieten. — Was soll da nun in den nächsten Jahren zur Linderung der allerärgsten Leiden geschehen? Wir haben diese Frage schon früher mehr als einmal mit einem positiven Vorschlage beantwortet, den wir heute, wo wir in Hinsicht auf vielerlei Umstände geneigtere Ohren zu finden hoffen, wiederholen. Wir meinen die Ansiedlung von jüdischen Emigranten in Kleinasien und Cypern, vielleicht auch in manchen zu Aegypten gehörigen Landstrichen. Kleinasien, welches sehr dünn bevölkert ist, wird jetzt von anderen europäischen Nationen als Kolonisationsgebiet in Aussicht genommen. Ein Kenner des Landes und der Verhältnisse sagt: „So gut wie in Australien oder Argentinien würden es die Juden sicher hier haben, und es liegt näher. Das Klima ist gesund. Fieber nahen wir nicht, das Land ist wohlfeil, Wasser ist vorhanden und überall zu finden." Dieses günstige Urteil wird auch durch Tatsachen bestätigt. Adana allein, das an Syrien grenzt und in Verbindung mit den anzulegenden Eisenbahnen einen grossen Exporthafen erhalten soll, könnte mit Leichtigkeit eine halbe Million jüdischer Einwanderer aufnehmen und ernähren. Die ausgedehnte Provinz hat nämlich kaum eine Viertelmillion Einwohner, meist Türken und Turkomanen, letztere besonders Hirten, auch einige Armenier und Griechen. Cypern wurde als Kolonisationsgebiet für Juden ebenfalls schon längst empfohlen, doch kam es auch bezüglich dieses Projektes bisher noch nie zu einem organisierten Vorgehen, daher auch nicht zu irgendwie bemerkenswerten Erfolgen. Die Insel, welche mit ihrer Nordküste der Südküste Kleinasiens, mit ihrer Ostküste Syrien gegenüberliegt, schliesst sich in 'Naturcharakter und Klima diesen Landstrichen an. Sie ist ungemein dünn bevölkert, reich an Schätzen aller Art und befindet sich bekanntlich in englischem Besitze. ■ In allen diesen Gebieten könnten im Laufe mehrerer Jahrzehnte mindestens zwei Millionen verfolgter und unglücklicher Juden angesiedelt werden. Welche grossartige Woh'lthat das wäre, kann sich jeder an den Fingern abzählen, der das jüdische Elend, namentlich im Osten Europas kennt. Wer aber, wie wir, auch eitrig darüber wacht, dass die Zukunft Israels von momentanen Hilfsaktionen nicht zerstört werde, wird auch nach dieser Richtung hin sich vollkommen beruhigen dürfen. Ja, noch mehr, er wird speziell vom jüdischnationalen Standpunkt die Verpflichtung haben, alles Mögliche zur Realisierung der erwähnten Pläne beizutragen. Denn eine ausgedehnte Kolonisation in Kleinasien würde uns folgendes erreichen lassen: Erstens würden grosse Massen unseres Volkes, statt von dem Grundstock ihrer Stammesgenossen noch weiter weggedrängt zu werden, und so die Zerstörung Israels noch vollkommener und daher schwerer besiegbar zu machen, in räumlichem und daher auch geistigem Zusammenhang, mit dem übrigen Judentum bleiben. Zweitens verrückte sich der Schwerpunkt des jüdischen Lebens aus dem Abendlande in das Morgenland, aus der arischen fremdartigen in die heimische semitische Welt. Hier könnte dann das Judentum der Gegenwart sich selbst wiederfinden und das Judentum der nahen Zukunft eine weltwichtige Kulturrolle übernehmen. Drittens würde ein grosser, vielleicht der grösste Teil des jüdischen Volkes in die allernächste Nähe seiner nationalen Heimat, gelangen, und es wäre gerade der Teil, dem noch die innigste Liebe zum heiligen Lande innewohnt. Gerade jetzt, wo infolge eines mit der Zeit gewiss zu hebenden Missverständnisses die Pforte der Kolonisation Palästinas und Syriens misstrauisch entgegenkommt, so dass der Fortgang des Unternehmens verlangsamt erscheint, ist es unsere heilige Pflicht, grössere Landstrecken jüdischen Einwanderern zu erschliessen. Die objektiven Hindernisse haben hier wenig Bedeutung, wenn

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