Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 1-2 (1904.None.1903)
- Article
- Allgemeine Fragen über die Methode und den Umfang der jüdischen Orient-Kolonisation
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 4)
- Language
- German
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— 102 — Gruppenkolonisation? Welche Formen der Pacht kämen in Betracht (fermage, metayage, colonnage)? — Sind Aktiengesellschaften für den Grossbetrieb möglich und zu empfehlen? Im allgemeinen ist eine genossenschaftliche Kolonisation zu empfehlen. Die Einzelkolonisation ist sehr schwer und kann leicht scheitern. Das Land ist noch unkultiviert und die Sicherheit gefährdet, so dass man gezwungen ist, immer Kolonistengruppen zu bilden, um den Erfolg der Kolonie sichern zu können. — Die Genossenschaften können im Ausland gebildet werden, indem jedes Mitglied ein gewisses Kapital einlegt und die Gründungs-Aufgabe der Kolonie gewissenhaften und erfahrenen Leuten überträgt. Die Kolonisation auf Grund der Pacht von Domänen und landesherrlichem Besitz ist sehr schwierig und nicht praktisch. Die Methode der Pacht gibt keine Sicherheit, man ist gänzlich von dem Landesherrn abhängig. In Palästina sowie in den übrigen Teilen der Türkei gibt es Sultansdomänen, aber nur türkische Staatsbürger werden dort als Pächter aufgenommen. — Hier zu Lande ist die Metayage-Form die bekannteste Pachtform. Aktiengesellschaften für den Grossbetrieb haben sich nicht gebildet und haben auch keine Zukunft, denn die Gesellschaft kann nur unter türkischer Jurisdiktion stehen. Eine Gesellschaft selbst hat übrigens kein Recht, Boden anzukaufen, aber sie kann es durch Privatpersonen tun. 8. Soll die Kolonisation — je nach den einzelnen Gebieten — ausschliesslich landwirtschaftlicher Art sein, oder sollen sich Juden auch in anderen Produktionszweigen etablieren, eventuell in Städten niederlassen? Welche Hauptberufe können — im allgemeinen — die Juden auf dem Lande betreiben? Welche in Städten? (Industrien, Technik, Handel, Gewerbe, Handwerk, Hausindustrien und dergleichen, Medizin, Anteil an der Beamtenschaft, Rechtsprechung, Gasthöfe, Wirtshäuser, Kurorte etc.) Die Kolonisation soll nicht ausschliesslich landwirtschaftlicher Art sein, man soll auch Industrie und Technik einzuführen suchen. Auf dem Lande soll der Jude Hausindustrien betreiben, in den Städten käme Handel, Gewerbe, Handwerk und der ärztliche Beruf, sowie die Einrichtung, von Gasthöfen und Wirtshäusern in Betracht. — Hier zu Lande ist alles noch sehr zurück, und es ist sehr schwer, Industrien einzuführen. Fabriken sind noch gar nicht vorhanden. Anteil an Beamtenschaft und Rechtsprechung ist sehr schwer, und für den Ausländer fast unmöglich zu erlangen. 9. Welche Reisewege aus den Hauptgebieten der jüdischen Emigration nach den in Beträcht kommenden Ländern und Orten sind besonders zu empfehlen? — Allgemeine Berechnung der Reisekosten pro Person, Familie und Emigrantengenossenschaft. Die Hauptreisewege von Russland nach dem Orient sind Odessa, Konstantinopel—Beirut—Haifa—Jafia, oder Odessa—Konstantinopel—Alexandrien—