Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 1-2 (1904.None.1903)
- Article
- Baghdad und die geplante Eisenbahn in englischer Betrachtung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 4)
- Language
- German
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— 86 — durchkommen. Der „Shiah" hat für diese beiden Städte eine noch grössere Verehrung als für Mekka, und zur Zeit der moharremischen Feiertage ist der Weg zwischen Baghdad und diesen beiden heiligen Städten schwarz voll von Karawanen gläubiger und fanatischer Beter. Aber die Stadt sollte mehr sein als ein Gasthof für Reisende, ihre Lage macht sie vorzüglich zu einem Handelszentrum für den ganzen Iran und für eine Handelsausdehnung mit dem westlichen Persien geeignet, und sobald das eine oder andere Eisenbahnprojekt verwirklicht wird, steht der Stadt und dem ganzen Distrikt, dessen Metropole sie ist, zweifellos eine neue Blütezeit bevor. Die Projekte und die Verzögerungen. „Aber, wann kommt endlich die Eisenbahn?" ist die bange Frage der Eingeborenen und der Europäer. Vor 25 Jahren schien es beinahe sicher, dass die britischen Pläne für eine Linie durch das Euphrat-Täl schnell verwirklicht werden würden. Das Projekt fiel jedoch durch, und so hat die langsam sich bewegende Karawane in den. Euphrat- und Tigris-Tälern sich bis zum heutigen Tage gegenüber der Dampfmaschine behaupten können. In letzter Zeit sind Hoffnung und Interesse durch das deutsche Projekt neu belebt worden. Ob es auch dazu verurteilt sein wird, unausgeführt zu bleiben, bleibt abzuwarten. Aber früher oder später muss Baghdad mit Konstantinopel oder mit der Küste bei Beyrut oder Alexandretta verbunden werden. Und je früher, desto besser für die Stadt und das Land im allgemeinen. Von den verschiedenen Plänen, die vorgelegt worden sind, braucht der türkische nicht erörtert zu werden, weil es ziemlich sicher ist, dass es zu nichts kommen wird, obgleich der Plan manches für sich hat. Augenblicklich scheint das deutsche Projekt die meisten Chancen zu haben. Seine Autoren haben die Strecke schlauerweise für ihre eigenen Interessen entworfen. Sie glauben, im Hinblick auf die Kilometer-Garantie, dass es für die Share-Inhaber wenig oder gar nichts ausmacht, ob die Bahn während vieler Jahre sich wirklich rentiert oder nicht. Da die türkische Regierung die Dividende zu zahlen hat, scheinen die Projektoren einen Weg gewählt zu haben, auf dem sie ihre Linie am billigsten bauen können, und haben alles andere sonst in Betracht Kommende ignoriert. Die britischen Interessen. Die von den Briten geplante Linie würde kürzer gewesen sein und würde dazu gedient haben, die Euphrat-Täler wiederzubeleben, die nur sehr wenig Sorgfalt brauchen, um in einen der reichsten Korndistrikte der Welt verwandelt zu werden, daher würde sie eine weit bessere Chance haben, sich in kurzer Zeit in ehrlicher Weise gut be-