Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 1-2 (1904.None.1903)
- Article
- Baghdad und die geplante Eisenbahn in englischer Betrachtung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 3)
- Language
- German
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— 85 — lichem Kachelwerk und vier goldgeschmückten Minaretts, welche auf Meilen hinaus zur Orientierung dienen können. Diese Pferdebahn ist sicher die aussergewöhnlichste in der Welt durch die rasch aufeinanderfolgenden kleinen Hügel und Täler, denen das Geleise treulich folgt, und durch die wundervollen Kurven und Zickzacks. Die Europäer in Baghdad. Auf der linken Uferseite stehen die Regierungsgebäude, das Serail, die Baracken usw. Dort sind auch die Viertel der Juden und der einheimischen Christen und ihre Kirchen. Gegen Süden der Stadt befinden sich die hauptsächlichsten Konsulatsgebäude und die Geschäfts¬ und Wohnhäuser der europäischen Kaufleute und Beamten. Die Beleuchtung der Strassen wird noch durch Petroleumlaternen bewirkt, die auch schon eine neuerliche Verbesserung darstellen, jedoch nicht hell genug sind, um den „Farnovsji" (Lampenträger) überflüssig zu machen, der die Fussgänger durch die schlammigen, von Skorpionen unsicher gemachten Strassen nach Einbrechen der Dunkelheit begleitet. Dattelpalmgärten und Lustgärten sind in diesem Viertel zahlreich, und volkstümliche Kaffeehäuser finden sich längs des Weges verstreut, der hinaus zur Wüste führt, in die die Europäer und die besser situierten Eingeborenen hinausreiten. Die britische Kolonie spielt Golf und Cricket auf einem geeigneten Spielplatze gleich am Rande der Wüste. Ihre Bibliothek und ihr Clubhaus befinden sich in der Nähe des Konsulats. Ein interessantes Bild bieten auch die Wasserträger, die am Ufer ihre Häute und Krüge füllen. Die Schläuche werden gewöhnlich in Paaren über einen Esel, Maultier oder „Kadeesh" (eine geringwertige Pferderasse) geschlungen. Die gefüllten Krüge sind für die Wasserversorgung des Haushalts bestimmt, man trifft sie in jedem Hofe eines Baghdader Hauses an. Natürlich ist die Qualität des Wassers nicht erstklassig, und die Europäer kochen alles Trinkwasser und filtern es gewöhnlich auch, aber die Eingeborenen sind absolut gleichgiltig solchen „Kleinlichkeiten" gegenüber. Ein Gasthof für Reisende. Etwa vier Reitstunden südlich von Baghdad liegen die Ruinen von Ctesiphon, der ehemaligen Residenz der persischen Könige. Ein Teil der Wälle des berühmten weissen Palastes von Chosroes steht noch, ebenso ein über 100 Fuss hoher Ueberrest von dem Bogengewölbe der Empfangshalle. Auf dem gegenüberliegenden Ufer sind die Ruinen von Seleucia. Baghdad lebt hauptsächlich von den Pilgern, die aus Persien, Indien und anderen Ländern nach Kerbella und Neje