Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1903-01-01 · Heft 1-2 (1904.None.1903) · p. Seite 56

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
2 (1903-1904)
Issue
Heft 1-2 (1904.None.1903)
Article
Der Prospekt der Jüdischen Orient-Kolonisations-Gesellschaft
Date
1903-01-01
Page
Seite 56 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2379786-2379793-2379795-2380699--00511-2380804
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 56 - Auch Vieh- und Geflügelzucht, Bienenzucht, Tabak- und Seidenbau etc.,. kommen als weitere bedeutende Erwerbsmöglichkeiten für die Ansiedler in Betracht. Durch eine solche Vorbereitung von Heimstätten, die im Laufe einer Reihe von Jahren in einen fruchttragenden Zustand versetzt und mit Häusern und allem sonst Nötigen versehen werden, ergiebt sich—schon vom ersten Anfang an — eine sichere und lohnende Arbeitsgelegenheit für jüdische Arbeiter, und zwar sowohl für landwirtschaftlich vorgebildete, wie auch für ungelernte Arbeitskräfte. Es ist ja bekannt, dass nicht zum wenigsten in Palästina selbst die bisherigen Kolonien resp. die bisherige Kolonisationsweise nicht einmal den dort seit Jahren ansässigen und eingewöhnten Tagelöhnern genügend Arbeitsgelegenheit gewährt, so dass diese zum wertvollsten Teil unseres Kolonisten-Materials gehörigen Elemente — besonders in den letzten Jahren — zur Auswanderung aus Palästina und zum Suchen neuer Erwerbsmöglichkeiten in Australien, Canada, Argentinien und den Vereinigten Staaten gezwungen wurden. Diesen Tagelöhnern, die sich unter den gegenwärtigen Verhältnissen in Palästina nicht halten können, soll in allererster Linie Gelegenheit geboten werden, in ihrem Berufe und in Palästina oder doch seinen unmittelbarsten Nachbargebieten zu bleiben. — Aber auch von dem grossen Strom der Auswanderung aus dem Osten Europas, der sich heute nach den fernsten Ländern ergiesst, die noch dazu schon jetzt beginnen, sich der jüdischen Einwanderung zu verschliessen — von diesem grossen Strom soll zunächst wenigstens ein kleiner Teil nach dem Orient und in gesunde Verhältnisse abgelenkt werden. Wenn unsere Bestrebungen die erforderliche Unterstützung finden, so ist es sehr wohl möglich — und dies ist ja eine der leitenden Ideen bei unserem Unternehmen —, dass unser Kolonisationswerk bald grossen Massen von Juden Brot geben wird und zwar Brot im weitesten Sinne des Wortes. Denn es ist nicht die Absicht dieser jüdischen Kolonisations- Gesellschaft, durch Bewirtschaftung von Land im Orient rein geschäftliche Ziele zu verfolgen: wir wollen — wenn auch auf durchaus geschäftlicher Basis und mittels geschäftlicher Methoden — wirtschaftlich schwachen oder verfolgten Juden durch Gewährung von Arbeitsmöglichkeit den Weg zur Selbständigkeit ebnen. Alles in allem liegt hier ein Unternehmen vor, welches eines der schwierigsten Probleme der komplizierten jüdischen Frage seiner Lösung näher bringt — vielleicht sogar seine ganze Lösung in sich birgt. — Die Jüdische Orient-Kolonisations-Gesellschaft hat sich die besten Ergebnisse der nationalökonomischen Wissenschaft zu eigen gemacht, sie beruht auf gesunden geschäftlichen Grundsätzen und auch für fachmännische Leitung sowohl des kaufmännischen wie des landwirtschaftlichen Betriebes wird volle Sorge getragen sein. So dürfen wir hoffen, in der jüdischen Kolonisationsfrage einen bedeutsamen Schritt vorwärts gethan zu haben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.