Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 1-2 (1904.None.1903)
- Article
- Über die Gründung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 6)
- Language
- German
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— 42 — Die Erfahrungen in bezug auf die Viehzucht sind in Palästina noch gering. Und somit eröffnet sich einer Versuchsstation auch auf diesem Gebiete ein bedeutendes Wirkungsfeld, Die Frage der Futtermittel zunächst, alsdann Fütterungsversuche, einerseits solche, die über die Verdaulichkeit und "Wirkung einzelner Nährstoffe Aufschluss geben und andererseits die Fütterungsversuche im Betriebe der landwirtschaftlichen Praxis, sind weitere Punkte des Arbeitsprogramms einer Versuchsstation. Die Ausbildung des Molkereiwesens, in welcher Richtung schon die Anfänge gemacht worden sind (siehe oben), würde ein weiteres erspriessliches Feld der Wirksamkeit bilden. Somit wären die Punkte der wissenschaftlichen Tätigkeit der zu begründenden Versuchsstation, soweit sie direkt der Landwirtschaft dienstbar ist, erledigt. Aber auch die Frage der menschlichen Nahrungsmittel und der Hygiene, sowie allgemeine chemisch-analytische Arbeiten könnten in den einzelnen Fällen von der Versuchsstation erledigt werden. Die praktische Tätigkeit im engeren Sinne würde sich zunächst auf die Untersuchung von Sämereien, Düngemitteln, Futtermitteln, Milch- und Molkereiprodukten, Erden und mineralischen Substanzen, Wasser (sehr wichtig!), menschlichen Nahrungs- und Genussmitteln, Pflanzenbeschädigungen zu erstrecken haben. Diesen Laboratorienarbeiten schliessen sich die praktischen Anbauversuche an, welche auf Initiative der Versuchsstation oder einzelner Landwirte in den Kolonien angestellt werden dürften. Es kommt hier die Einführung von neuen Kulturpflanzen, sowie die Verbesserung und Ausbildung der schon im Lande kultivierten in Betracht. Die Versuchsstation, welche selbstverständlich mit den Kolonien in sehr regem Verkehr stehen müsste, hat die Möglichkeit, mit einer und derselben Pflanze gleichzeitig in verschiedenen Gegenden, also unter verschiedenen klimatischen und Ernährungsbedingungen, Versuche anzustellen. Einem einzelnen, noch so intelligenten und strebsamen Landwirte würde es sehr grosse Schwierigkeiten machen. Auch würde er nicht die dazu nötige Zeit sich nehmen können. Sicherlich wird das von uns an der Hand von Dr. Rümkers Ausführungen skizzierte Programm der Tätigkeit einer Versuchsstation so umfangreich erscheinen, dass mancher wohl Zweifel hegen wird, ob ein solches von einer Versuchsstation befriedigend erledigt werden kann. Diese Zweifel sind auch nicht unberechtigt. Das gewaltig grosse Gebiet der landwirtschaftlichen Forschung ist aber ebenso der Spezialisierung fähig, wie dasjenige irgend anderer Wissenszweige, Und auch im landwirtschaftlichen Versuchswesen hat sich, wo dasselbe grössere Ausdehnung erfahren hat, wie z. B. in Deutschland, eine gewisse Arbeitsteilung bewährt. Unter den 33 in Preussen wirkenden Ver-